Gut vorbereitet in den Urlaub: Was gehört in die Reiseapotheke?
Die Koffer sind gepackt, die Vorfreude ist groß und die Reiseapotheke? Viele Reisende denken erst kurz vor der Abreise daran. Dabei kann eine gut zusammengestellte Apotheke im Gepäck den Unterschied machen, wenn unterwegs unerwartete Beschwerden auftreten. Dr. Gabriele Groth, Chefärztin des Zentrums für Notfall- und Akutmedizin in der Schön Klinik Hamburg Eilbek, erklärt, worauf es ankommt.
Warum eine Reiseapotheke so wichtig ist
Ob Sonnenbrand am Strand, Magenverstimmung nach dem Restaurantbesuch oder eine kleine Schnittwunde beim Wandern: Kleinere Gesundheitsprobleme gehören zum Reisealltag. Im Urlaub sind Menschen oft anderen klimatischen Bedingungen, ungewohnten Speisen und neuen Keimen ausgesetzt. Das Immunsystem reagiert darauf manchmal empfindlicher als zu Hause. Alles, was erste Symptome lindert, gehört deshalb in die Reiseapotheke. Grundsätzlich gilt dabei: Die Medikamente, die man kennt und gut verträgt, sind immer die beste Wahl.
Die Grundausstattung: Das gehört immer mit
Unabhängig vom Reiseziel empfehlen Medizinerinnen und Mediziner folgende Basisausstattung:
Wundversorgung und Erste Hilfe
- Pflaster in verschiedenen Größen sowie Blasenpflaster
- Sterile Kompressen, Mullbinden und elastische Verbände
- Wunddesinfektionsmittel und Wund- und Heilsalbe, zum Beispiel mit Dexpanthenol oder Jod
- Einmalhandschuhe, Pinzette und Schere
- Digitales Fieberthermometer mit flexibler Messspitze
Schmerzen und Fieber
- Schmerz- und Fiebermittel: Paracetamol ist dabei häufig die bessere Wahl, da es Magen und Nieren schont. Ibuprofen ist eine Alternative, sollte jedoch bei empfindlichem Magen mit Bedacht eingesetzt werden.
- Schmerzgel, zum Beispiel mit Diclofenac oder Ibuprofen, bei Prellungen und Verstauchungen
Magen und Darm
- Mittel gegen Durchfall mit dem Wirkstoff Loperamid, Racecadotril oder Tanninalbuminat
- Elektrolytlösung zum Ausgleich von Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust
- Medikament gegen Übelkeit und Reisekrankheit, zum Beispiel Tabletten oder Kaugummis mit Dimenhydrinat
- Abführmittel mit verzögerter Wirkung, zum Beispiel mit Bisacodyl
Sonne, Haut und Insekten
- Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor
- Kühlgel für Insektenstiche und Sonnenbrand, zum Beispiel mit Dimetindenmaleat
- Insektenschutzspray je nach Urlaubsziel
Augen, Hals und Atemwege
- Einzeln dosierte Augentropfen, zum Beispiel mit Euphrasia, bei gereizten Augen
- Abschwellendes Nasenspray: Es erleichtert nicht nur das Atmen bei Erkältung, sondern hilft auch beim Druckausgleich im Flugzeug
- Schleimlöser, zum Beispiel mit Eukalyptusöl, bei Husten
- Lutschtabletten mit antiseptischen und betäubenden Wirkstoffen bei Halsschmerzen
Durchfall unterwegs: Was wirklich hilft
Durchfall ist eine der häufigsten Reisebeschwerden. Der Wirkstoff Loperamid hemmt die Darmbewegung und ist deshalb auf langen Bus- oder Flugreisen als SOS-Maßnahme sehr gut geeignet. Ergänzend sind Elektrolyte unverzichtbar, um den Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen auszugleichen. Hält der Durchfall länger als zwei Tage an oder tritt hohes Fieber dazu auf, sollte auch im Ausland umgehend eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Persönliche Dauermedikation: Bitte nicht vergessen
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, etwa gegen Bluthochdruck, Diabetes oder Allergien, sollte diese in ausreichender Menge einpacken und auf Hand- und Aufgabegepäck aufteilen. So ist man auch dann versorgt, wenn ein Koffer verspätet ankommt. Empfehlenswert ist außerdem, einen Arztbrief mit der Diagnose sowie eine vollständige Medikamentenliste mitzuführen. Damit lässt sich bei Zollkontrollen oder im Notfall problemlos nachweisen, warum Spritzen, Nadeln oder bestimmte Substanzen im Gepäck mitgeführt werden. Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, sollte sich vor Reiseantritt außerdem informieren, ob das Klima am Urlaubsort für die eigene Erkrankung geeignet ist.
Auf Fernreisen: Zusätzliche Vorkehrungen treffen
Wer in tropische Regionen oder Länder mit eingeschränkter medizinischer Versorgung reist, sollte die Reiseapotheke entsprechend erweitern. Dazu kann, je nach Reiseziel, eine Malariaprophylaxe gehören, ebenso wie Wasserentkeimungstabletten und, nach ärztlicher Rücksprache, ein Antibiotikum für den Notfall. Eine individuelle Reisemedizinberatung beim Hausarzt oder in einem Tropeninstitut ist in diesem Fall unbedingt empfehlenswert.
Praktische Tipps für unterwegs
- Haltbarkeitsdaten prüfen: Alte Reiseapotheken aus dem Vorjahr vor dem Einpacken auf abgelaufene Medikamente kontrollieren.
- Richtig lagern: Medikamente vor direkter Sonneneinstrahlung und Hitze schützen, im Auto am besten in einer Kühltasche.
- Flüssigkeiten im Handgepäck: Bei Flugreisen die allgemeinen Flüssigkeitsregeln beachten; flüssige Arzneimittel vorab bei der Airline anfragen.
- Wichtige Dokumente einpacken: Impfpass, Europäische Krankenversicherungskarte und die Notfallnummer der Krankenversicherung gehören ebenfalls ins Reisegepäck.
Wann sofort zum Arzt?
Die Reiseapotheke ist für leichtere Beschwerden gedacht und ersetzt keinen Arzt. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel zum Arzt gehen als zu spät. Bei folgenden Symptomen sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden:
- Anhaltendes Fieber, das sich nicht senken lässt oder länger als zwei Tage anhält
- Schüttelfrost oder Infektionszeichen
- Wunden, die sich röten oder entzünden
- Starke Bauchschmerzen oder anhaltender Durchfall
- Atembeschwerden oder schwere allergische Reaktionen
Haben Sie Fragen zu Ihrer persönlichen Reisevorbereitung? Sprechen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt an oder lassen Sie sich in einer Apotheke beraten.
