Normale Geburt (Spontangeburt)
Wir helfen Ihrem Kind sicher auf die WeltEine normale Geburt (Spontangeburt) beginnt meist innerhalb von zwei Wochen vor oder nach dem errechneten Geburtstermin, also zwischen der 38. und der 42. Schwangerschaftswoche. Die Wehen setzen meist selbstständig (spontan) ein, sodass keine Unterstützung – beispielsweise durch eine Geburtseinleitung – nötig ist. Der Geburtsverlauf kann individuell unterschiedlich lange dauern, in der Regel zwischen vier und 18 Stunden.
Unsere Spezialistinnen und Spezialisten in den Schön Kliniken begleiten und überwachen die normale Geburt Ihres Kindes für einen bestmöglichen Start in Ihr gemeinsames Leben.
Fachlich geprüft von Dr. John-Kilian Rehbein
Auslöser einer normalen Geburt
Welcher Reiz die Geburt auslöst, ist bislang nicht definitiv geklärt. Eine wichtige Rolle spielen lokale Botenstoffe (Prostaglandine) und das im Gehirn produzierte Hormon Oxytocin (Bindungshormon), welches die Gebärmutter (Uterus) dazu anregt, sich zusammenzuziehen (Kontraktion) und damit Wehen auslöst.
Hierdurch verkürzt sich zunächst der Gebärmutterhals (Cervix uteri) und im weiteren Verlauf eröffnet sich der Muttermund.

Anzeichen einer nahenden normalen Geburt
Verschiedene Anzeichen weisen auf die nahende Geburt hin: Meist ist Ihr Schlaf unruhiger, und Sie spüren einen vermehrten Druck auf Blase und Darm. Schließlich setzen die Wehen in regelmäßigen Abständen ein. Wenn der Gebärmutterhalskanal komplett verkürzt („verstrichen“) ist, beginnt der Muttermund sich zu weiten, bis er schließlich eine Weite von zehn Zentimetern erreicht hat. Während dieser gesamten Zeit kann es jederzeit zum Reißen der Fruchtblase (Blasensprung) kommen. Ist dies der Fall oder treten die Wehen in Intervallen von fünf bis zehn Minuten auf, ist der Moment gekommen, in die Klinik zu fahren. In vielen Fällen löst sich kurz vor Geburtsbeginn ein Schleimpfropf aus dem Gebärmutterhals („Zeichnen“). Die Geburt selbst wird in drei Phasen unterteilt: Eröffnungs-, Austreibungs- und Nachgeburtsperiode.
Normale Geburt: Geburtsphasen
- Stadium: Eröffnungsperiode
In regelmäßigen Abständen von drei bis sechs Minuten setzen Wehen ein, der untere Teil der Gebärmutter zieht sich immer weiter zurück (Retraktion) und der Muttermund öffnet sich. Der kindliche Kopf nimmt immer engeren Bezug zum Muttermund auf und tritt tiefer. Die Phase endet mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes auf zehn Zentimeter. Bei einer ersten Geburt dauert sie meist zwischen sieben und zwölf Stunden, bei weiteren Geburten ist sie häufig wesentlich kürzer. Wie schmerzhaft die Eröffnungswehen empfunden werden, ist individuell unterschiedlich. - Stadium: Austreibungsperiode
Die Austreibungsperiode beginnt mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes und wird in „frühe Phase“ und „Pressphase“ unterteilt. In den zwei Stunden der frühen Phase platzt häufig die Fruchtblase (Blasensprung) und das Kind rutscht in den Geburtskanal, während sich die Kontraktionen der Gebärmutter verstärken. Die Pressphase dauert in der Regel zwischen 20 und 40 Minuten. Der Druck des Kindskopfes auf Ihren Beckenboden löst den automatischen Reflex zum Pressen aus, womit Sie Ihr Kind auf seinem Weg unterstützen. Die Geschwindigkeit, mit der der Kopf des Kindes den Damm durchtritt, regulieren wir mittels Druck auf Ihre Dammmuskulatur, um einen Dammriss zu verhindern. In seltenen Fällen kann ein Dammschnitt erforderlich sein, um die Geburt zu beschleunigen, beispielsweise wenn das Ungeborene gefährdet ist. Sollte der Schnitt notwendig sein, setzen wir ihn während einer starken Wehe, um zusätzliche Schmerzen für Sie so gering wie möglich zu halten. Meist wird eine örtliche Betäubung eingesetzt. Mit der folgenden Wehe beginnt die eigentliche Geburt Ihres Kindes, die nach dem Austritt des Köpfchens meist problemlos und schnell verläuft.
Soweit keine Besonderheiten vorliegen, legen wir Ihnen Ihr Kind direkt auf den Bauch, um die Bindung zu fördern. Gleichzeitig wird dadurch die Ausschüttung des Hormons Oxytocin angeregt, wodurch sich die Nachgeburtsperiode verkürzt und der Blutverlust sich verringert. - Stadium: Nachgeburtsperiode
Die Nachwehen in der Nachgeburtsperiode sind in der Regel leicht und nicht so schmerzhaft. Sie dienen dazu, die Plazenta (auch „Mutterkuchen“ oder „Nachgeburt“) von der Gebärmutterwand abzulösen und auszustoßen. Mit der Nachgeburt, die wir auf Vollständigkeit überprüfen und sicherstellen, dass kein Mutterkuchenrest in der Gebärmutter verblieben ist, ist die Geburt abgeschlossen.
Während Ihr Kind auf Ihnen ruht, untersuchen wir es sorgfältig, überprüfen seine Atmung, Herztätigkeit und Reflexe und halten die APGAR-Werte (siehe unten) fest (U1-Untersuchung). Aus der Nabelschnur entnehmen wir einen kleinen Blutstropfen, der uns weitere Informationen über den Zustand Ihres Babys liefert. Die Nabelschnur klemmen wir meist einige Zeit später, nach dem Auspulsieren, ab – durchtrennen darf sie auf Wunsch gerne auch Ihr anwesender Partner.
Normale Geburt: Wann in den Kreißsaal?
Nicht immer sind die Anzeichen einer nahenden Geburt eindeutig. In unserem Kreißsaal stehen wir Ihnen neben dem Geburtsplanungsgespräch etwa vier Wochen vor dem Entbindungstermin jederzeit für eine Abklärung zur Seite, insbesondere
- bei Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck- oder Nierenerkrankungen,
- bei Beckenendlage,
- bei Mehrlingsschwangerschaft,
- bei Mutterkuchenschwäche mit mangelndem Wachstum des Kindes,
- bei Blutgerinnungsstörungen,
- im Zustand nach operativer Geburt bei vorausgegangenen Schwangerschaften,
- im Zustand nach erhöhtem Blutverlust bei vorausgegangenen Geburten
und natürlich jederzeit ungeplant im Fall von
- Blasensprung (auch vermutet und ohne Wehen),
- Blutungen,
- Einweisung durch Ihren Frauenarzt,
- Unwohlsein mit Augenflimmern, Kopf- oder Oberbauchschmerzen,
- länger ausbleibenden Kindsbewegungen oder
- regelmäßigen Wehen alle fünf bis zehn Minuten.
So stellen wir die nahende normale Geburt fest
Bei der Aufnahme in unserem Kreißsaal können wir anhand routinemäßiger Untersuchungen feststellen, ob die Geburt Ihres Kindes unmittelbar bevorsteht beziehungsweise eingeleitet werden muss oder ob noch Zeit ist und Sie zunächst wieder nach Hause gehen können. Wir können Ihren Blutdruck, die Herz- und Atemfrequenz, Temperatur, Ihr Gewicht sowie mögliche Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) überprüfen. Eine Urinprobe ermöglicht uns die Protein- und Glukosebestimmung. Anhand einer Blutprobe können wir Hinweise auf eine mögliche schwangerschaftsbedingte Erkrankung (Gestose) erhalten. Bei aktiven Wehen besteht die anschließende körperliche Untersuchung darin, Ihren Gebärmutterhals abzutasten, um den Geburtsfortschritt zu beurteilen. Ist die Fruchtblase gesprungen und noch keine Wehenaktivität eingetreten, können wir die Öffnung und Verkürzung des Gebärmutterhalses durch Tasten untersuchen. Dabei achten wir auch auf eine Verfärbung des Fruchtwassers, was ein Zeichen für eine Belastungssituation Ihres ungeborenen Kindes sein kann. Mithilfe von Ultraschall können wir über Ihren Bauch Größe, Lage und Versorgung Ihres Kindes beurteilen. Die Herztöne Ihres Kindes und Ihre Wehentätigkeit können wir mittels Wehenschreiber (CTG = Kardiotokographie) aufzeichnen. Bildgebende Verfahren liefern uns bei Bedarf weitere Informationen.
Bildgebende Diagnoseverfahren
Bei Blutungen, insbesondere wenn diese stark sind, muss zunächst eine Placenta praevia ausgeschlossen werden. In diesem Fall untersuchen wir Ihren Mutterkuchen (Plazenta) mittels Ultraschall näher, da eine vaginale Tastuntersuchung die Blutungen verstärken und zu einer bedrohlichen Situation für Ihr Kind führen könnte.
APGAR-Wert/APGAR-Score
Der APGAR-Wert setzt sich aus der medizinischen Bewertung von Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen und Reflexen des Neugeborenen zusammen. Jeder Faktor wird mit null, einem oder zwei Punkten bewertet. Die Summe der Werte spiegelt die Verfassung des Neugeborenen wider und liegt in der Regel bei sieben bis zehn Punkten. Das Ergebnis dieser Erstuntersuchung des Neugeborenen (U1) wird im Gelben Heft festgehalten.

Eine normale Geburt sicher und sanft begleiten
Die Spontangeburt ist der natürliche Weg, ein Kind auf die Welt zu bringen. Wir begleiten Sie dabei und kontrollieren den Geburtsverlauf, um im Falle möglicher Komplikationen frühzeitig eingreifen zu können. Gerne darf der Vater Ihres Kindes oder eine andere Begleitperson anwesend sein, um Sie zu unterstützen – im Falle eines notwendigen Kaiserschnitts (siehe unten) unter örtlicher Betäubung auch im Operationssaal (OP). Um den Geburtsvorgang zu erleichtern, stehen verschiedene konservative Methoden zur Verfügung. Unsere Hebammen helfen Ihnen zudem mit Atem- und Entspannungstechniken. Mithilfe von Medikamenten können wir Ihren Geburtsschmerz lindern.
So unterstützen wir Ihre Entbindung konservativ
Insbesondere in der längsten Phase der Entbindung, der Eröffnungsperiode, sollten Sie sich entspannen und in den Wehenpausen ausruhen. Dabei können verschiedene unterstützende Maßnahmen für Sie infrage kommen, zu denen wir Sie gerne individuell beraten. Während des gesamten Geburtsverlaufs kontrollieren wir engmaschig die Herztöne Ihres Kindes (fetale Herzfrequenz) sowie Ihren Zustand. Bei Risikokonstellationen legen wir eine Verweilkanüle in eine Vene auf Ihrer Hand oder Ihrem Unterarm (Katheter), über die wir bei Bedarf Medikamente applizieren können (beispielsweise bei Blutdruckabfall während einer PDA, siehe unten). In manchen Fällen kann eine Geburtseinleitung notwendig werden, beispielsweise um nach einem Blasensprung und ausbleibendem Geburtsbeginn Infektionen bei Ihnen und Ihrem Kind zu verhindern. Die Geburt können wir medikamentös (Wehenmittel) oder mechanisch einleiten beziehungsweise beschleunigen.
Zur Linderung Ihrer Geburtsschmerzen stehen verschiedene schmerzstillende beziehungsweise betäubende Medikamente zur Verfügung. Unsere Spezialisten besprechen alle Möglichkeiten und Verfahren individuell mit Ihnen, um Sie und Ihr Kind bestmöglich bei der Geburt zu unterstützen.
Sobald Ihr Kind geboren ist, untersuchen wir es und halten die gemessenen Werte von Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen und Reflexen (APGAR-Werte = U1-Untersuchung) fest. Im Anschluss an Ihre Nachgeburt können wir einen möglichen Dammriss beziehungsweise -schnitt unter lokaler Betäubung nähen, während wir Ihr Kind reinigen und anziehen. Sind Sie und Ihr Kind versorgt, ziehen unsere Spezialistinnen und Spezialisten sich zurück, damit Sie in Ruhe in Ihrer neuen Gemeinsamkeit ankommen und sich erholen können.
Natürliche Geburt: Operativer Eingriff
Wurde der Mutterkuchen mit der Nachgeburt nicht vollständig ausgestoßen, müssen wir verbliebene Reste mittels Ausschabung (Kürettage) aus der Gebärmutter entfernen, um Blutungen, Infektionen oder Wucherungen zu vermeiden. Diesen Eingriff führen wir unter kurzer Narkose durch.
Manchmal ist trotz geplanter normaler Geburt eine Entbindung nur per Kaiserschnitt (Sectio caesarea) möglich. Die Gründe dafür können sowohl Sie als auch Ihr Kind betreffen (beispielsweise Gebärmutterriss, Nabelschnurvorfall, Sauerstoffunterversorgung des Kindes). Häufig fällt die Entscheidung erst kurz vor der Geburt oder wenn die Geburtswehen bereits eingesetzt haben. Sollte dieser Eingriff bei Ihnen erforderlich sein, nehmen wir ihn in der Regel unter regionaler Betäubung (Regionalanästhesie) vor, sodass Sie die Geburt bei vollem Bewusstsein und schmerzfrei erleben können. Für die regionale Betäubung stehen uns je nach individueller Situation Periduralanästhesie (PDA) beziehungsweise Spinalanästhesie (SPA) oder, in der späten Phase, ein Pudendusblock zur Verfügung. In Einzelfällen können wir auch Verfahren miteinander kombinieren. In seltenen Fällen kann ein Notkaiserschnitt unter Vollnarkose notwendig sein. Den „sanften Kaiserschnitt“ führen wir gewebeschonend und in kurzer Zeit durch, was den anschließenden Heilungsverlauf positiv beeinflusst. Bei jedem Kaiserschnitt sind unsere Kinderärzte anwesend, um Ihr Kind umgehend nach der Geburt in Empfang zu nehmen, zu untersuchen und zu betreuen, bis wir es Ihnen und/oder Ihrem Partner übergeben können.
Auch im Fall von Komplikationen ist Ihr Kind nach der Geburt bei unseren Spezialistinnen und Spezialisten des Perinatalzentrums Level II mit angeschlossener Kinderklinik in besten Händen. Falls ein Kaiserschnitt notwendig sein sollte, besprechen unsere Expertinnen und Experten die Einzelheiten individuell mit Ihnen.

Nach der Geburt: Wochenbett
Nach der Geburt bringen wir Sie und Ihr Kind von unserem Kreißsaal auf unsere moderne, familienfreundliche Wochenstation. Dort haben Sie die Möglichkeit, die ersten Lebenstage Ihres Neugeborenen gemeinsam im Familienzimmer zu erleben. Wir stehen Ihnen bei allen Fragen gerne zur Seite und helfen Ihnen in den neuen Alltag mit Ihrem Baby. Die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt (Wochenbett) sind eine besonders intensive Zeit, in der Sie sich Zeit geben sollten, sich körperlich von der Geburt zu erholen und in der neuen Lebensphase anzukommen. Insbesondere nach einer Entbindung durch Kaiserschnitt braucht es etwas mehr Zeit, damit die Wunde gut verheilen kann und Ihr Körper sich regeneriert. Bis zu sechs Wochen nach der Geburt sollten Sie körperliche Anstrengungen wie Heben oder Tragen von schweren Gegenständen vermeiden. Vier bis sechs Wochen nach der Entbindung findet die erste Nachsorgeuntersuchung bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt statt.
Standorte

Unsere Spezialisten
Sie benötigen einen Spezialisten, hier finden Sie Ihn!
Sie sind unsicher? Wir helfen ihnen gerne
Sie haben eine Frage zu Bahandlung, Aufnahme und Aufenthalt in unseren Krankenhäusern oder möchten einen Sprechstundentermin vereinbaren?
