Dysphagie (Schluckstörung)
Wieder problemlos schluckenEin erwachsener Mensch schluckt bis zu 1000-mal pro Tag – während des Essens deutlich häufiger als beispielsweise im Tiefschlaf. Am Schluckvorgang sind Wangen, Lippen, Kiefer, Zunge, Gaumensegel, Rachen, Kehlkopf, Zungenbein und Speiseröhre beteiligt. Über 100 Muskeln gewährleisten den reibungslosen Schluckvorgang. Ist ein Bestandteil gestört, kann der Ablauf des Schluckaktes zusammenbrechen.
In den Schön Kliniken sind wir auf Schluckstörungen (Dysphagien) und die Entwöhnung von Ernährungssonden und Trachealkanülen spezialisiert. Unser erfahrenes ärztliches und therapeutisches Personal bietet Ihnen wirksame Therapien, um Ihre Schluckbeschwerden in den Griff zu bekommen.
Fachlich geprüft von Dr. Jürgen Herzog
Was ist eine Dysphagie?
Der gesamte Schluckvorgang kann in drei Phasen unterteilt werden:
- Orale Schluckphase
Liegt hier eine Störung vor, ist schon die Nahrungsaufnahme bzw. die Zerkleinerung im Mundraum beeinträchtigt. Ein unzureichender oder fehlender Kauvorgang, eine gestörte Zungenkraft oder -beweglichkeit oder auch eine Gefühlsstörung kann die orale Schluckphase stören. - Pharyngeale Schluckphase
Bei einer Störung kann die aufgenommene Nahrung oder Flüssigkeit nicht unbeeinträchtigt durch den Rachen in die Speiseröhre transportiert werden. - Ösophageale Schluckphase
Bei einer Störung in der ösophagealen Phase als Ursache der Dysphagie ist der Weitertransport der Nahrung durch die Speiseröhre bis zum Magen behindert.

Ursachen: Wie entsteht eine Dysphagie?
Schluckstörungen können nach vielen neurologischen Erkrankungen auftreten.
Die häufigsten Ursachen sind:
- Schlaganfall
- Schädel-Hirn-Trauma
- entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (zum Beispiel Multiple Sklerose)
- degenerative Erkrankungen des Nervensystems (zum Beispiel Morbus Parkinson)
- Tumoren im Gehirn
Erkrankungen der peripheren Nerven mit Beteiligung der Hirnnerven und Muskelerkrankungen können ebenfalls eine Schluckstörung auslösen. Häufig kommt es auch nach Tumor-Operationen und Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich zu einer Dysphagie.
Symptome: Anzeichen einer Dysphagie
Folgende Symptome deuten auf eine Schluckstörung hin:
- Druck- oder Kloßgefühl im Hals
- Steckenbleiben von Nahrung oder Flüssigkeiten in der Kehle
- Erstickungsanfälle bzw. Husten nach dem Essen/Trinken
- „feuchte“ oder gurgelnde Stimme nach dem Schlucken
- Herauslaufen von Speichel aus dem Mund
- Kaustörungen
- verminderte Kraft und Abbau der Zungenmuskulatur mit Muskelzuckungen
- verminderte Beweglichkeit der Zunge
- fehlender Würgereflex
- fehlendes oder unzureichendes, willkürliches Anheben des Gaumensegels bei normalem oder gesteigertem Gaumenbogen
- reflexgestörte Gefühlswahrnehmung im Mund-Rachen-Bereich
- Stimmlippenlähmung bzw. Heiserkeit, Stimmstörung, Stimmlosigkeit
- Sprechstörung
- Es können nur kleine Nahrungs- und/oder Trinkmengen aufgenommen werden
- veränderte Haltung beim Schlucken (zum Beispiel Vorneigung des Kopfes)
- unklare Fieberschübe, akute oder wiederkehrende Lungenentzündungen
Schluckstörungen führen oft zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität. Mögliche Folgen sind unter anderem Mangelernährung, Dehydratation (Wassermangel), Lungenentzündungen oder die Abhängigkeit von künstlicher Ernährung.
Diagnose: So wird eine Dysphagie festgestellt
In vielen Fällen lässt sich eine Dysphagie durch eine neurologische und logopädische Untersuchung, spezielle apparative Diagnostik (Endoskopie, Kernspintomografie, Computertomografie) sowie ein ausführliches Gespräch über Ihre Erkrankung und Erkrankungen, die in Ihrer Familie aufgetreten sind, diagnostizieren.
Neurologische Untersuchungen
Um Ursache, Art und Schweregrad Ihrer Dysphagie zu erfassen, gibt es zwei wichtige Methoden:
- Flexible Endoskopische Evaluation des Schluckaktes (FEES)/Tracheoskopie
Hierbei wird ein dünnes, flexibles Endoskop über Ihre Nase oder die Trachealkanüle eingeführt. Dadurch können wir die Vorgänge vor und nach dem Schlucken direkt beobachten. - Video-Fluoroskopie
Falls schnelle Bewegungsabläufe im Kau- und Schluckvorgang dargestellt werden müssen, ermöglicht diese Untersuchungsmethode die diagnostische Einordnung. Für die Untersuchung schlucken Sie ein spezielles Kontrastmittel, anhand dessen das ärztliche Personal die Funktion des Schluckvorgangs beurteilen kann.

Die Schluckfunktion wiederherstellen
Stationäre Therapie – je nach Schwere der Schluckstörung
Leiden Sie an schweren Schluckstörungen, ernähren wir Sie über eine Magensonde. Ein Luftröhrenschnitt kann nötig werden, wenn immer wieder Speichel in Ihre Luftröhre gelangt und die Gefahr einer Lungenentzündung besteht. Ein künstlicher Verschluss dichtet dann die Luftröhre zum Rachen hin ab.
Ist damit zu rechnen, dass Ihre Dysphagie länger als vier Wochen bestehen wird, legen wir eine Ernährungssonde nicht mehr über die Nase, sondern durch Ihre Bauchhaut (PEG). Durch die Sonde gelangt Nahrung mit hohem Kaloriengehalt direkt in Ihren Magen. Auch Medikamentengaben und die Versorgung mit Flüssigkeit sind durch die Sonde möglich. Oft verbessert sich die Dysphagie alleine schon durch diesen Wechsel der Ernährungssondenlage.
Um Infektionen vorzubeugen, muss die Austrittsstelle gut gepflegt und desinfiziert werden. Falls bei Entlassung die Versorgung mit einer PEG noch erforderlich sein sollte, können Ihnen ambulante Pflegedienste Hilfestellungen bei Verwendung und Pflege der Sonde geben.
Medikamentöse Therapie
Dopaminerge Therapie bei Parkinson
Bei einer ursachenorientierten Therapie bildet sich die Dysphagie im Idealfall zusammen mit der Grundkrankheit zurück. Bei der Parkinsonkrankheit zum Beispiel ist dies jedoch nur äußerst eingeschränkt der Fall. Hierbei besteht die medikamentöse Behandlung in der Gabe von L-Dopa und dopaminergen Substanzen. Erfahrungsgemäß spricht die Schluckstörung aber oft schlechter auf diese Therapie an als die übrigen motorischen Defizite.
Sekretionshemmung bei starkem Speichelfluss
Bei ausgeprägtem Speichelfluss werden Medikamente eingesetzt, die die Speichelproduktion und den Sekretfluss reduzieren. Diese Medikamente werden je nach Präparat und benötigter Wirkstärke als Pflaster hinter das Ohr geklebt, als Tabletten verabreicht oder unter die Haut gespritzt.
In selteneren, schweren Fällen kann die Speichelproduktion auch direkt durch Injektion der Speicheldrüsen mit Botulinum-Neurotoxin gehemmt werden.
Rehabilitation bei Dysphagie - Die Schluckfunktion optimieren
Den Schwerpunkt Ihrer Rehabilitation in den Schön Kliniken bildet die Schlucktherapie. Diese ist individuell auf Sie zugeschnitten und wird von unserem erfahrenen logopädischen Behandlungsteam durchgeführt. Stimulations-, Bewegungs- und Schluckübungen helfen dabei, gestörte Funktionen möglichst weitgehend wiederherzustellen und Beeinträchtigungen der Nahrungsaufnahme in Ihrem Alltag zu überwinden.
Die logopädische Schlucktherapie
- Kausale Verfahren
Sie verfolgen das Ziel, gestörte Funktionen teilweise oder vollständig wiederherzustellen. Sie umfassen ein sensomotorisches Training der am Schlucken beteiligten Bewegungsabläufe. Schluckrelevante Bewegungen werden, falls nötig, zunächst stimuliert und dann aktiv trainiert. Ziel ist es, die Voraussetzungen für normales Schlucken zu schaffen. - Kompensatorische Verfahren
Ziel ist es, trotz bestehender Funktionseinbußen das Schlucken zu verbessern. Dazu wird der Schluckvorgang durch Haltungsänderungen oder bestimmte Schlucktechniken verändert. - Adaptive Verfahren
Hierunter verstehen wir die Anpassung der Nahrungsaufnahme an die individuelle Störung. Bei der individuell angepassten Dysphagie-Kost kommt es auf die richtige Konsistenz (flüssig, breiig, fest) und Menge der aufgenommenen Nahrung oder Flüssigkeit an – je nach Art der Störung. Eine Begleitung beim Essen oder der Einsatz spezieller Ess- und Trinkhilfen kann dabei helfen, sich trotz Dysphagie sicher und selbstständig zu ernähren. - Pharyngeale Elektrostimulation (PES)
Sie kommt für manche Patienten mit schwerer Schluckstörung, meist auch mit Trachealkanülenversorgung, vor allem nach Schlaganfall in den Großhirn-Hemisphären oder Schädel-Hirn-Trauma in Betracht. Mit einem speziellen Katheter, ähnlich einer Ernährungssonde, werden Nervenbahnen im Schlund an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen elektrisch gereizt. Die dadurch verursachte Umorganisation in den Schluckzentren der Hirnrinde kann zu einer Verbesserung der Schluckfrequenz und auch zur rascheren Entwöhnung von der Trachealkanüle führen.
Standorte
Filter
Filter
_list-distance_

Unsere Spezialisten
Sie benötigen einen Spezialisten, hier finden Sie Ihn!
Sie sind unsicher? Wir helfen ihnen gerne
Sie haben eine Frage zu Bahandlung, Aufnahme und Aufenthalt in unseren Krankenhäusern oder möchten einen Sprechstundentermin vereinbaren?
