Steißbeinfistel
Schmerzhaft und lästig – so werden Sie die Steißbeinfistel losSteißbeinfisteln heilen nicht von selbst, sondern müssen medizinisch behandelt werden. Unsere Spezialisten für Enddarmerkrankungen (Proktologinnen und Proktologen sowie Chirurginnen und Chirurgen) beraten Sie gerne und bieten, falls nötig, eine optimale Therapie.
Fachlich geprüft von Dr. Christos Athanasios Papachrysanthou
Wie entstehen Steißbeinfisteln?
Die häufigste Ursache für das Entstehen einer Steißbeinfistel sind abgebrochene oder kurze Haare, die sich durch Reibebewegungen (zum Beispiel der Gesäßmuskeln) in die Haut einbohren und bis in das Unterhautfettgewebe vordringen. Als Fremdkörper rufen die eingewachsenen Haare Entzündungsreaktionen hervor, die zur Bildung des Sinus pilonidalis führen.
Steißbeinfisteln treten familiär gehäuft auf. Daher wird eine genetisch bedingte Veranlagung angenommen. Weitere Risikofaktoren für das Entstehen von Steißbeinfisteln sind folgende:
- Übergewicht (mehr Fettgewebe verursacht mehr Reibung in der Gesäßfalte)
- starke Körperbehaarung, vor allem im Gesäßbereich
- häufige Kurzhaarschnitte
- Intimrasuren
- sitzende Tätigkeit
- starkes oder krankhaftes Schwitzen
Die Annahme, schlechte Analhygiene sei eine Ursache von Steißbeinfisteln, ist falsch!

Welche Beschwerden treten auf?
- Die asymptomatische Fistel verursacht keine Symptome; sie heilt nicht von selbst und kann akut oder chronisch werden.
- Die chronische Fistel verursacht nur zeitweise Beschwerden. Typisch sind Austritt klarer oder blutig-eitriger Flüssigkeit, Juckreiz und eventuell Schmerzen. Da die Symptome nach Abgang von Eiter meist über längere Zeit verschwinden, werden chronische Steißbeinfisteln oft verschleppt.
- Die akut abszedierende Fistel: Rötung und Schwellung der betroffenen Hautregion; beim Sitzen und Liegen starke Schmerzen; eventuell Fieber; Eiteraustritt durch Platzen des Abszesses.
Was sind Fisteln?
Sinus pilonidalis – der Fachausdruck für eine Steißbeinfistel – bedeutet wörtlich Folgendes: sinus = Hohlraum; pilus = Haar; nidus = Nest. Eingewachsene Haare können nicht nur in der Steißbeinregion Fisteln bilden, sondern auch am Bauchnabel, im Schambereich, in der Nase und hinter den Ohren.
Wie stellen wir eine Steißbeinfistel fest?
In den meisten Fällen suchen die Betroffenen ärztliche Hilfe, wenn sich ein Abszess in oder nahe der Gesäßfalte gebildet hat und klares bis blutiges Sekret absondert. Symptomlose Fisteln werden eher zufällig bei Untersuchungen mit anderem Hintergrund gefunden.
Für die Diagnose reicht meist eine körperliche Untersuchung; das Erscheinungsbild mit charakteristischen punktförmigen Vertiefungen in der Haut ist aussagekräftig genug. Um das Ausmaß eines Sinus pilonidalis genau zu bestimmen, ziehen wir ggf. eine Ultraschalluntersuchung heran.
Vor der endgültigen Diagnose müssen wir zusätzlich andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausschließen.
Welche Erkrankungen verursachen ähnliche Symptome?
- Analfisteln – Fisteln im Bereich des Schließmuskels oder des Enddarms
- Morbus Crohn – eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die zu Fisteln im Analbereich führen kann
- Akne inversa – eine chronische Hauterkrankung mit eitrigen Abszessen und Fisteln im Genitalbereich
Wie häufig sind Steißbeinfisteln?

Wann wird eine Steißbeinfistel behandelt?
- Asymptomatische Steißbeinfisteln sollten behandelt werden, auch wenn sie keine Beschwerden bereiten, um eine Entzündung zu vermeiden.
- Chronische Formen sollten zeitnah therapiert werden, um einer schmerzhaften Entzündung vorzubeugen.
- Akute Formen sollten umgehend operiert werden.
Geht es auch ohne Operation?
Auf keinen Fall sollten die Patientinnen und Patienten versuchen, eine akute oder chronische Steißbeinfistel selbst „in die Hand zu nehmen“. Riskant wäre vor allem der Versuch, einen akuten Abszess wie einen Eiterpickel auszudrücken! Das könnte die Infektion noch verschlimmern. Die Behandlung chronischer und akuter Steißbeinfisteln gehört in die Hände erfahrener Fachleute. Eine Behandlung mit Antibiotika oder Salben kann die Symptome zwar lindern oder sogar vorübergehend zum Verschwinden bringen, aber der Erfolg ist meist nur von kurzer Dauer – die Fistel kommt in der Regel wieder. Sinnvoll kann eine konservative Behandlung als Zwischenlösung sein, wenn eine Operation zwar geplant, aber nicht sofort durchführbar ist.
Wie wird eine Steißbeinfistel operiert?
Aktuell stehen verschiedene operative Behandlungen zur Verfügung. Welche von diesen sich optimal eignet, hängt von der Größe der Steißbeinfistel und dem Gesundheitszustand der Betroffenen ab. Bei der Wahl des Verfahrens berücksichtigen die Spezialisten in den Schön Kliniken auch die Wünsche der Patientinnen und Patienten.
- Pit-Picking-Operation: Diese minimalinvasive Methode wird meist ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Dabei werden die einzelnen Fistelgänge (engl. pit = Grube) millimetergenau herausgeschnitten („gepickt“). Die winzigen Wundbereiche verheilen in der Regel besonders schnell und unkompliziert.
- Mediane Exzisionen: Diese Eingriffe kommen vor allem bei größeren und hartnäckig wiederkehrenden Fisteln infrage. Dabei wird der Sinus pilonidalis so herausgeschnitten, dass die Wunde in der Mittellinie der Gesäßfalte liegt. Operiert wird unter Vollnarkose oder Regionalanästhesie.
Um das Risiko eines Rezidivs (Bildung einer neuen Fistel an gleicher Stelle) zu senken, wird die Wunde nach dem Eingriff zunächst offengehalten und mehrmals täglich mit klarem Leitungswasser abgeduscht. Die offene Wundbehandlung hat den Vorteil, dass sich Narbengewebe ohne Haarwurzeln und Talgdrüsen bildet. Die Wundreinigung erfolgt ambulant oder im Rahmen eines stationären Aufenthalts. - Weitere operative Verfahren können zum Beispiel folgende sein:
- Sinusektomie (Entfernung einzelner Fistelgänge)
- plastisches Verfahren – Totalentfernung der Steißbeinfistel mit Wundverschluss durch einen Hautlappen

Nach der Operation
Genesungszeit: Auch die Zeit bis zur vollständigen Heilung hängt von der Art des Eingriffs ab. Im Anschluss an eine ambulante Pit-Picking-Operation ist nach einigen Tagen die volle Belastungsfähigkeit wieder gegeben. Nach größeren Eingriffen mit offener Wundbehandlung kann die Genesungszeit einige Wochen dauern.
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