Adipositas und Essstörungen

Weniger Gewicht – bessere Gesundheit – seelische Stabilisierung: Wir bieten Unterstützung

Adipositas und Essstörungen sind komplexe und oft chronische Erkrankungen, die nicht durch eine einmalige Behandlung zu heilen sind. Vor allem körperliche Folgeerkrankungen stellen eine Gefährdung dar: Bluthochdruck, Gelenkverschleiß, schlafbedingte Atemstörungen, Kinderlosigkeit oder Krebserkrankungen verschlechtern die Lebensqualität und verkürzen sogar die Lebenserwartung. Besonders häufig sind Adipositas und Diabetes Typ 2 miteinander verbunden. Hinzu kommt eine Vielzahl von zum Teil schweren seelischen Auswirkungen. Bei einem Teil der Betroffenen besteht eine Essstörung, die oft mit Depressionen, sozialen Ängsten, ADHS oder anderen psychischen Störungen einhergeht.

Unsere Spezialisten in den Schön Kliniken haben langjährige Erfahrung in der Behandlung von Essstörungen und Adipositas – sei es durch eine stationäre psychosomatische Therapie im Falle einer Essstörung oder durch eine Operation bei schwerem Übergewicht. Mit einer individuellen, multimodalen Therapie, die auf ein strukturiertes und achtsames Essverhalten mit langsamer Gewichtsreduktion („Anti-Diät-Konzept“) sowie einem Abbau von psychischen Belastungen abzielt, begleiten wir Sie auf dem Weg, gesünder zu werden.

Fachlich geprüft von Dr. Johannes Sander

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Behandlung erfordert.
  • Sie erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Gelenkverschleiß.
  • Psychische Belastungen und Essstörungen können zusätzlich eine Rolle spielen.
  • Die Diagnostik berücksichtigt körperliche, medizinische und psychische Faktoren.
  • Die Behandlung wird individuell geplant und kann Ernährung, Bewegung, Psychotherapie oder eine Operation umfassen.

Adipositas – ab welchem Gewicht sollten Sie zum Spezialisten?

Die Mehrzahl der Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig. Liegen Risikofaktoren für weitere Erkrankungen vor, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt darüber sprechen.

Ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 bezeichnen Ärzte das Übergewicht als Adipositas. Sie ist kein vorübergehendes Problem, sondern eine chronische Erkrankung.

Liegt Ihr BMI über 30, sollten Sie über eine langfristige Behandlung nachdenken. Es gibt verschiedene seriöse ambulante Programme und Ernährungstherapeutinnen und -therapeuten zur langfristigen Gewichtsreduktion, die teilweise von den Krankenkassen unterstützt werden.

Ab einem BMI 40 oder BMI 35 mit einer ernsthaften Folgeerkrankung wie Diabetes oder schlafbezogener Atemstörung kommt ein operativer Eingriff in Betracht. Eine Operation ist die einzige Behandlung, die bei einer schweren Adipositas nachweislich auf Dauer Erfolg verspricht. Unsere chirurgischen Fachleute beraten Sie gerne persönlich.

Liegen der Adipositas eine Essstörung oder andere seelische Erkrankungen zugrunde, sollte fachärztlich (psychiatrisch, psychosomatisch) oder psychotherapeutisch abgeklärt werden, ob eine ambulante oder stationäre psychosomatische Behandlung notwendig ist.
Übergewichtige Frau sitzt auf einem Sofa und liest in einem Buch

Ursachen: Wie entsteht Adipositas?

Adipositas hat nicht eine einzelne Ursache. Sie ist das Resultat verschiedener Faktoren:

Unsere heutigen Lebensbedingungen (zum Beispiel Überfülle von kalorienreicher Nahrung und eingeschränkte Bewegung) fördern das Entstehen von Übergewicht. Genetische Veranlagung entscheidet über die Aktivität unseres Stoffwechsels. Manche hormonellen Erkrankungen, zum Beispiel der Schilddrüse, können ebenfalls zu Übergewicht führen.

Leider nehmen auch viele Medikamente Einfluss auf den Anstieg des Körpergewichtes. Ein besonderes Problem entsteht, wenn übergewichtige Diabetiker blutzuckersenkende Medikamente benötigen, denn diese können ebenfalls zu weiterem Gewichtsanstieg und somit zur fortschreitenden Verschlechterung des Diabetes führen. Hier entsteht ein Teufelskreis.

Ebenso können seelische Erkrankungen, wie Essstörungen (zum Beispiel die Binge-Eating-Störung), Depressionen und soziale Ängste, das Essverhalten beeinträchtigen. 

Im Hinblick auf die Behandlung ist es wichtig, die verschiedenen Ursachen zu erkennen.

Symptome bzw. Folgen der Adipositas

Der gesellschaftliche Druck, das eigene Aussehen und die eingeschränkte Beweglichkeit beeinträchtigen Betroffene oft am meisten.

Zum medizinischen Problem wird Adipositas aber vor allem durch verschiedene körperliche Folgeerkrankungen. Dazu gehören:

  • Herz- und Kreislauferkrankungen, wie Bluthochdruck und Arterienverkalkung,
  • schlafbezogene Atemstörungen (Schlafapnoe),
  • Diabetes mellitus Typ 2,
  • Fettleber und Gicht,
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates, wie chronische Rückenschmerzen und Gelenkverschleiß (vor allem Knie und Hüftgelenke) werden begünstigt, auch das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen, verminderte Fruchtbarkeit und Depressionen steigt.

Diese Folgeerkrankungen können durch eine nachhaltige Gewichtsabnahme meist deutlich gebessert, nach Adipositas-chirurgischen Maßnahmen sogar geheilt werden.

Soziale und psychische Folgen der Adipositas sind oft geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Frühinvalidität, soziale Stigmatisierung bzw. Diskriminierungbereits in frühen Lebensjahren, Selbstabwertung mit Versagensgefühlen sowie das seelische „Ausblenden“ des eigenen Körpers und seiner Signale. Das gilt auch für die Wahrnehmung von Hunger/Sättigung und von Gefühlen. All dies über die Dauer von vielen Jahren fördert nicht selten die Entwicklung von seelischen Erkrankungen wie zum Beispiel Essstörungen, Depressionen und sozialen Ängsten.

Diagnose

Jedem Übergewichtigen sieht man sein Gewichtsproblem an. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es jedoch wichtig zu untersuchen, ob das Übergewicht bereits körperliche oder seelische Folgeerkrankungen nach sich zieht.

Deshalb bestimmen wir in unseren Adipositas-Zentren bei Ihnen nicht nur Größe, Gewicht und BMI. Unsere Spezialisten testen zudem umfangreich Ihre Blutwerte, wie Blutzucker, Blutfette, Harnsäure, Leberwerte und Schilddrüsenfunktion. Wir erfragen von Ihnen, wie Sie sich ernähren, wie sich Ihr Gewicht im Laufe der Zeit entwickelt hat und welche Medikamente Sie einnehmen. Durch eine psychiatrisch-psychosomatische oder psychologische Untersuchung im Adipositas-Zentrum können seelische Erkrankungen oder besondere Belastungen im psychosozialen Umfeld festgestellt werden. Die Zusammenschau all dieser Tests und Gespräche erlaubt uns eine exakte Diagnose und die bestmögliche Behandlung für Ihr Leiden.
Eine Frau in einem roten Shirt legt ein Zentimeterband um ihre Hüften und zeigt, dass sie sehr viel Gewicht verloren hat
Junge Frau joggt lachend in Sportkleidung am Fluss, prüft Fitnessuhr, Bewegung und Lebensfreude

Adipositas-Behandlung: gesünder durch Gewichtsreduktion

Eine Adipositas-Therapie hat nicht allein das Ziel, Ihr Gewicht zu reduzieren, sondern auch, das reduzierte Gewicht langfristig zu halten. Nur so können Folgeerkrankungen vermieden beziehungsweise gebessert werden. Unabhängig davon, ob eine Adipositas-Operation in Ihre Behandlung einbezogen wird, ist eine langfristige Veränderung Ihrer Ernährungs- und körperlichen Bewegungsgewohnheiten sowie Ihres Lebensstils insgesamt erforderlich.

Wir nehmen uns Zeit für Sie – nutzen Sie unseren Online-Service der Schön Klinik Beratung.

Medikamentöse Adipositas-Therapie

Bis heute gibt es leider keine dauerhaft wirksamen Medikamente gegen Adipositas.
Zur vorübergehenden Therapie sind in Deutschland derzeit lediglich Orlistat, Liraglutid und seit 2018 Bupropion/Naltrexon zugelassen. Allerdings schränken Nebenwirkungen den Nutzen ein, die Gewichtsreduktion ist relativ gering und keines der Präparate wird von den Krankenkassen erstattet.

Operative Adipositas-Therapie

Bringen alle konservativen Maßnahmen über mindestens sechs Monate kein zufriedenstellendes Ergebnis und liegt der Body-Mass-Index (BMI) weiterhin über 40, kommt eine Adipositas-Operation in Betracht. Im Falle einer Diabeteserkrankung kann bereits ab einem BMI von 35 eine chirurgische Behandlung erwogen werden (metabolische Chirurgie).

Im Gegensatz zu allen Diätbemühungen kann eine Operation helfen, einen deutlichen Gewichtsverlust auf lange Zeit zu erhalten. Nach einer Operation bleiben viele Patientinnen und Patienten zwar weiterhin übergewichtig, jedoch auf einem niedrigeren und damit deutlich gesünderen Niveau als vorher.

Das Wichtigste aber ist, dass sich Ihre Gesundheit verbessert und die Lebensqualität steigert.

Adipositas-Operationen beeinflussen neben dem Gewicht auch zahlreiche Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Schlafapnoe (Atemaussetzer beim Schlafen) und Gelenkbeschwerden, besonders in den Kniegelenken. Auch auf das Übergewicht zurückgehende Unfruchtbarkeit oder Rückenschmerzen bessern sich in vielen Fällen. Eine besondere Rolle spielen Operationen bei adipösen Diabetikerinnen beziehungsweise Diabetikern: Hier kann meist die Diabeteserkrankung gebessert oder sogar zum vorübergehenden Halt gebracht werden. Besonders für Diabetikerinnen und Diabetiker, die nach einer Operation kein Insulin mehr spritzen müssen, bedeutet dies eine enorme Erleichterung des Alltags. Wegen der besonderen Wirkung auf eine Diabeteserkrankung spricht man hier von einer metabolischen Operation.

Die meisten Eingriffe können wir sehr schonend mit der „Schlüsselloch-Technik“ durchführen. Welches Verfahren für Sie am wirksamsten ist, besprechen die Chirurginnen beziehungsweise Chirurgen mit Ihnen im persönlichen Gespräch.

Roux-en-Y-Magenbypass

Bei diesem Eingriff teilen unsere Chirurginnen beziehungsweise Chirurgen Ihren Magen in eine kleine Magentasche und einen größeren, weiterhin Magensaft produzierenden Restmagen. Die Magentasche ist schnell gefüllt, da sie nur wenig Nahrung aufnehmen kann. Dadurch fühlen Sie sich in den ersten Monaten schneller gesättigt und bleiben auch länger satt.
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Entscheidend ist aber die Umleitung des Dünndarms, sodass sich Nahrung und Verdauungssäfte erst im mittleren Dünndarm vermischen. Dadurch wird ein Teil der Nährstoffe und Kalorien nicht verdaut, sondern verlässt den Körper wieder mit dem Stuhl. Die Wirkung des Magenbypasses beruht zum großen Teil auf der Veränderung von Regelkreisläufen der Verdauungshormone. Diese hormonellen Veränderungen machen auch die besondere Wirkung auf eine Diabeteserkrankung aus.


Vorteile:
  • ausgeprägter und über Jahre stabiler Gewichtsverlust möglich
  • dauerhafte Beseitigung von Sodbrennen
  • langfristige Verbesserung oder Rückgang eines Diabetes mellitus Typ 2
  • langfristige Besserung zahlreicher Folge-Erkrankungen der Adipositas
Nachteile:
  • Sie benötigen lebenslang zusätzliche Vitamin- und Mineralpräparate
  • Eine Spiegelung von Restmagen, Zwölffingerdarm und/oder der Gallengänge ist nicht mehr möglich
  • Bestimmte Medikamente (zum Beispiel Verhütungsmittel) wirken möglicherweise nicht mehr ausreichend

Omega-Loop-Magenbypass

Hier nähen wir an Ihre etwas größere Magentasche eine Darmschlinge an. Diese hat vom Magenausgang bis zur Naht an der Magentasche eine Länge von 180 bis 250 cm. Durch sie fließen die Verdauungssäfte Galle und Bauchspeichel, die sich dann erst nach etwa zwei Metern mit der Nahrung aus der Magentasche vermischen. Je länger die Darmschlinge ist, desto mehr Gewichtsverlust ist möglich – allerdings steigt auch das Risiko für Mangelerscheinungen und andere Nebenwirkungen wie Durchfall.

Vorteile:
  • ausgeprägter und über Jahre stabiler Gewichtsverlust möglich
  • langfristige Verbesserung oder Rückgang eines Diabetes mellitus Typ 2
  • in der Regel auch bei sehr hohem BMI durchführbar
  • langfristige Besserung zahlreicher Folge-Erkrankungen der Adipositas
Nachteile:
  • Sie benötigen lebenslang zusätzliche Vitamin- und Mineralpräparate
  • Eine Spiegelung von Restmagen, Zwölffingerdarm und/oder der Gallengänge ist nicht mehr möglich
  • Bestimmte Medikamente (zum Beispiel Verhütungsmittel) wirken möglicherweise nicht mehr ausreichend

Schlauchmagen

Hierbei entfernen unsere Spezialisten den größten Teil Ihres Magens, sodass nur ein schlauchförmiger Restmagen übrigbleibt. Dadurch können Sie nur noch geringe Nahrungsmengen aufnehmen und fühlen sich schneller gesättigt. Der normale Verdauungsprozess bleibt unberührt. Bei Patientinnen und Patienten mit sehr hohem BMI ist ein Magenbypass technisch nicht durchführbar, für sie kann ein Schlauchmagen die erste von zwei Operationen sein. Bei Bedarf kann der Schlauchmagen dann später in einen Roux-en-Y-Magenbypass oder in einen Omega-Loop-Magenbypass umgewandelt werden.

Vorteile:
  • Trotz der starken Verkleinerung des Magens bleibt der normale Weg der Nahrung erhalten
  • Mangelerscheinungen (Vitamine/Mineralien) zeigen sich seltener, eine lebenslange Nahrungsergänzung ist allerdings angeraten
  • Eine Magenspiegelung ist weiterhin problemlos möglich
Nachteile:
  • Die Operation ist nicht umkehrbar
  • Komplikationen wie Nahtundichtigkeiten oder Fisteln sind schwieriger zu behandeln als beim Magenbypass
  • Ausgeprägtes Sodbrennen kann auftreten

Gut zu wissen

Die Adipositas Klinik der Schön Klinik Hamburg Eilbek ist von der DGAV (Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie) zertifiziert und eine von bundesweit vier Einrichtungen, die als „Exzellenzzentrum für Adipositas- und metabolische Chirurgie“ die höchste Zertifizierungsstufe und damit den höchsten Qualitätsnachweis erhalten haben. Hier können Sie auf hohe Qualitätsstandards in Behandlung, Ausstattung und Nachsorge vertrauen.

Langfristige Nachsorge

Die operative Adipositas-Therapie ist der wichtigste Baustein, um schweres Übergewicht und die damit einhergehenden gesundheitsgefährdenden Folgen zu behandeln. Eine Operation allein ist aber nicht in der Lage, alle körperlichen und seelischen Probleme zu lösen, die mit dem Übergewicht zusammenhängen. Auch eine lebenslange Umstellung Ihrer bisherigen Gewohnheiten ist nötig.

Da Adipositas eine chronische Erkrankung ist, entscheidet eine regelmäßige jahrelange Betreuung mit über den Erfolg Ihrer Operation. Diese Nachsorge hilft auch, mögliche Mangelerscheinungen oder körperliche wie seelische Probleme rechtzeitig zu entdecken.
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Letztere können zum Beispiel durch eine Wiederkehr oder Zunahme einer Essstörung, eine Depression oder andere psychische Belastungen begründet sein und oft eine Gewichtswiederzunahme begünstigen. In diesen Fällen besprechen wir mit Ihnen, ob eine ambulante psychiatrisch/psychotherapeutische oder stationäre psychosomatische Behandlung in die Gesamttherapie eingebunden werden sollte.

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