Pneumologische Reha im Wandel: Wie digitale und ganzheitliche Konzepte die Versorgung erweitern
Wie können Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen während und nach einer Rehabilitation langfristig unterstützt werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Chefarzt Prof. Dr. Rembert Koczulla und das Team des Forschungsinstituts für Pneumologische Rehabilitation der Schön Klinik Berchtesgadener Land. In einem aktuellen Fachbeitrag zeigen sie, welche Rolle individuell abgestimmte Therapien, die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen und digitale Angebote künftig spielen können.
Chronische Atemwegserkrankungen wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma oder Lungenfibrose können viele Bereiche des Lebens beeinträchtigen. Atemnot und eine geringere körperliche Belastbarkeit erschweren häufig den Alltag. Hinzu kommen bei manchen Betroffenen weitere Erkrankungen oder psychische Belastungen.
Eine pneumologische Rehabilitation setzt deshalb an mehreren Stellen an. Je nach persönlichem Bedarf verbindet sie ärztliche Betreuung unter anderem mit Bewegungs- und Atemtherapie, Schulungen, Ernährungsberatung und psychosozialer Unterstützung. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, die körperliche Leistungsfähigkeit zu fördern und Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen, möglichst selbstständig mit ihrer Erkrankung umzugehen.
Wie sich diese Versorgung künftig weiterentwickeln kann, beschreiben Prof. Dr. Rembert Koczulla, Chefarzt des Fachzentrums für Pneumologie, sowie Dr. Tessa Schneeberger, Dr. Rainer Glöckl und Dr. Inga Jarosch im Fachbeitrag „Pneumologische Rehabilitation – wohin geht die Reise?“, der in „Universum Innere Medizin“ erschienen ist.
Eine zentrale Frage ihrer Arbeit lautet: Wie lassen sich die während einer Rehabilitation erzielten Fortschritte nach der Rückkehr in den Alltag unterstützen? Digitale Angebote können dabei eine ergänzende Rolle spielen. Denkbar sind beispielsweise therapeutisch begleitete Videotermine, digitale Schulungen oder Trainingsangebote für zu Hause. Der persönliche Kontakt zum Behandlungsteam bleibt dabei wichtig.
Das Forschungsinstitut an der Schön Klinik Berchtesgadener Land untersucht unter anderem medizinische Trainingstherapie, Sauerstofftherapie, nicht invasive Beatmung, Schlafmedizin und digitale Medizin. Die Forschungsprojekte sollen dazu beitragen, bestehende Behandlungskonzepte weiterzuentwickeln und neue Versorgungsansätze wissenschaftlich zu bewerten.
Ein Beispiel ist die ReELoAd-2.0-Studie unter Leitung von Univ. Prof. Dr. R. Koczulla. Darin wurde untersucht, wie eine digitale Nachsorge Menschen mit Post-Covid nach einer stationären Rehabilitation unterstützen kann. Insgesamt nahmen 90 Patientinnen und Patienten teil. Eine Gruppe erhielt nach der stationären Rehabilitation zusätzlich eine zwölfwöchige digitale Nachsorge. Dazu gehörten unter anderem Physiotherapie, Trainingstherapie, Körpertherapie und Schulungen in Echtzeit. Die Teilnehmenden standen über eine Videoplattform direkt mit Therapeutinnen und Therapeuten in Kontakt. Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass diese Form der Nachsorge die Rückkehr in den beruflichen Alltag unterstützen kann. Im Jahr 2026 zeichnete die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin Dr. Jarosch für diese Forschungsarbeit mit dem Wissenschaftspreis für digitale Medizin in der Pneumologie aus.
Digitale Angebote eignen sich nicht für jede Patientin und jeden Patienten gleichermaßen. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Erkrankung, der körperlichen Belastbarkeit, möglichen Begleiterkrankungen und den persönlichen Therapiezielen ab. Das Behandlungsteam stimmt die einzelnen Maßnahmen deshalb individuell ab.
Dabei ergänzen digitale Anwendungen die Behandlung vor Ort, ersetzen sie aber nicht. Der unmittelbare Austausch mit Ärztinnen und Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten bleibt ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation. Gleichzeitig können digital unterstützte Angebote dazu beitragen, Übungen und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen nach dem Klinikaufenthalt in den Alltag zu übertragen.
Der Fachbeitrag zeigt, dass pneumologische Rehabilitation zunehmend über den eigentlichen Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik hinausgedacht wird. Persönliche Betreuung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und wissenschaftlich geprüfte digitale Angebote können sich dabei ergänzen.
An der Schön Klinik Berchtesgadener Land arbeiten das Fachzentrum für Pneumologie und das Forschungsinstitut eng zusammen. Ziel ist es, neue Ansätze sorgfältig zu untersuchen und daraus Erkenntnisse für die Versorgung von Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen zu gewinnen.
Bild: Dr. Tessa Schneeberger (links) und Prof. Dr. Rembert Koczulla (rechts)
