Halloween - Wo hört der Grusel auf?

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Ein Interview mit Prof. Voderholzer aus der Schön Klinik Roseneck

Prof. Dr. Voderholzer ist Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Schön Klinik Roseneck.

"Exzellente Medizin und fortlaufende wissenschaftliche Evaluation von Behandlungsergebnissen sind mir ein Herzensanliegen. Voraussetzungen dafür sind eine Haltung lebenslangen Lernens, Teamarbeit, Mitarbeiterzufriedenheit und eine sehr gute Ausbildung von Mitarbeitern."

Wie jedes Jahr steht Halloween vor der Tür. Warum gruseln wir uns gerne und warum ist Angst für uns eher unangenehm? Prof. Voderholzer aus der Schön Klinik Roseneck spricht über die „Angstlust“, dem „Thrill“, und ab wann die Angst als Angststörung bezeichnet wird.

Worin besteht der Unterschied zwischen dem Spaß am Gruseln und dem Angst haben?

Warum wir Spaß am Gruseln verspüren können hat biologische und psychologische Ursachen. Zum einen werden Systeme im Gehirn angeregt, die Dopamin und Adrenalin ausschütten, die zum Teil Glückshormone sind. So entsteht die sogenannte „Angstlust“, der „Thrill“, die uns trotz negativer Emotionen wie Angst oder Grauen  Lustgefühle und Entspannung bescheren können. Zum anderen fühlen wir uns auch in „Gruselsituationen“, wie an Halloween, in der Geisterbahn oder beim Schauen von Horrorfilmen, sicher in der Situation. Wir wissen, dass uns nichts passieren kann. Aus diesem Grund können wir den Schauer genießen. Wie sehr wir Grusel genießen, ist von Mensch zu Mensch und je nach Alter unterschiedlich. Besonders Jugendliche verspüren große Freude am „Gruselkick“.

Wie entsteht die Angst?

Angst ist per se nichts krankhaftes Angst, sondern eine  überlebenswichtige Reaktion, die uns in unserer Evolution vor Gefahren geschützt und uns in kritischen Situationen optimal auf Kampf und Flucht vorbereitet hat. Die meisten Gefahren, wie Löwen, Tiger und Schlangen sind allerdings heute nicht mehr Teil unserer Realität.

Wo hört der Spaß auf?

Besonders Kinder können Situationen, anders als Jugendliche, oft noch nicht richtig einschätzen. Deshalb ist es wichtig, Dinge nicht zu übertreiben. Bei Jugendlichen geht es oft darum sich auszutesten und Rollen zu tauschen. Die Kinder oder Jugendlichen bekommen als Gruselgeister einen höheren Status als die Erwachsenen. An Halloween ist es den Kindern erlaubt, die Erwachsenen zu erschrecken. Damit übernehmen die Kinder die Rolle der Mächtigen, die selbst keine Angst haben. Der Grusel wird spielerisch wahrgenommen.

Wenn die Angst „real“ ist – wann spricht man von einer Angststörung?

Von Angststörungen spricht man, wenn Angst immer wieder in Situationen auftritt, die gar keine Gefahr beinhalten und uns im Alltag behindert. Man geht wegen der Angst vielen Situationen aus dem Weg. So vermeiden die Personen beispielsweise Partys, gehen nicht mehr in die Schule oder sogar nicht mehr aus dem Haus. Die Grenze zwischen gesund und krank ist allerdings fließend. Angststörungen sind heute in der Regel sehr gut behandelbar. Wissenschaftlich am besten erwiesen und auch langfristig am wirksamsten ist die Verhaltenstherapie, bei der die Betroffenen lernen, ihre Angst zu bewältigen und ihr Meideverhalten aufzugeben. Erfahrungen, Angst selber bewältigen zu können, sind mit sehr positiven Gefühlen verbunden und verbessern somit auch die Stimmung.

Können Tage wie Halloween, an dem die Angst und der Grusel im Vordergrund steht, eine Angststörung weiter triggern?

Ich denke nicht, dass Halloween oder anderer Gruselspaß negativen Einfluss auf Betroffene mit Angststörungen hat. Trigger für Angststörungen sind eher Verlusterlebnisse, Stresssituationen  oder andere negative Ereignisse. Man sollte allerdings darauf achten, dass der Spaß an Halloween nicht außer Kontrolle gerät. Gerade Kindern fällt die Unterscheidung zwischen Spaß und ernster Gefahr oft schwer. Deshalb ist es wichtig, die Ebene des „Gruselspaß“ nicht zu überschreiten. So können Kinder, Jugendliche und Erwachsene Halloween genießen.

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