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Niereninsuffizienz

Eine gesunde Niere reinigt pro Minute mindestens 95 Milliliter Blut. Kommt sie aufgrund einer akuten oder chronischen Nierenschwäche ihrer Aufgabe nur ungenügend nach, sammeln sich diese Schadstoffe im Körper an. Das kann schon innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden. Die Dialyse ist ein Verfahren, um den Körper zu entgiften. Damit lassen sich schädliche Abbauprodukte aus dem Blut waschen, die normalerweise über den Urin ausgeschieden werden. Eine weitere Aufgabe der Dialyse ist, überschüssiges Wasser zu entfernen. Denn bei einer Nierenschwäche kann sich die Urinproduktion verringern und damit Wasser im Körper ansammeln. 

Niereninsuffizienz-Behandlung

Wie funktioniert eine Dialyse?

Eingesetzt werden aktuell vor allem die Hämodialyse und die Peritonealdialyse. Beide Methoden funktionieren nach demselben Grundprinzip: Das Blut wird über eine durchlässige Membran (Dialysator) und unter Zuhilfenahme einer Spülflüssigkeit (Dialysat) gesäubert. Die Reinigung erfolgt per Diffusion (Osmoseprinzip). Zwischen dem Blut auf der einen Seite der Membran und der Flüssigkeit auf der anderen Seite besteht ein Konzentrations- und Druckunterschied. Durch die Membran hindurch erfolgt ein Ausgleich – die Giftstoffe diffundieren in das Dialysat und wandern letztendlich ins Abwasser. Per Osmose geht auch überschüssiges Wasser in die Dialyselösung über und lässt sich so aus dem Körper ableiten.


Was ist der Unterschied zwischen der Hämodialyse und der Peritonealdialyse?

Die Hämodialyse findet außerhalb des Körpers („extrakorporal“) in einem speziellen Gerät statt. Bei der Peritonealdialyse erfolgt die Blutwäsche im Körper selbst. Welche der beiden Methoden zum Einsatz kommt, hängt unter anderem vom Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten ab. Auch die persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben der Betroffenen spielen eine Rolle.

Hämodialyse – das gängigste Verfahren

Blutwäsche durch die „künstliche Niere“
Die Hämodialyse ist die aktuell am häufigsten eingesetzte Methode der Blutwäsche. Das Blut wird über einen in eine Vene gelegten Katheter in eine spezielle Maschine („Hämodialysator“ oder auch „künstliche Niere“) gepumpt. Dort fließt es an einer speziellen Membran vorbei, die Giftstoffe diffundieren in die salzhaltige Lösung auf der anderen Seite der Membran. Das gereinigte Blut wird in den Organismus zurückgeführt.

Auf seinem Weg durch den Dialysator kann das Blut per Osmose auch mit Nährstoffen angereichert werden. Schädliche Substanzen wie Blutsalze oder Harnsäure werden also entfernt und „gute“ Stoffe wie Natrium, Glukose und Bikarbonat hinzugefügt.


Dialyse-Shunt zum Schutz der Vene
Bei jeder Hämodialyse wird der Patientin oder dem Patienten regelmäßig eine größere Menge Blut entnommen und anschließend wieder zugeführt. Das häufige Anstechen einer Vene ist schädlich für die als Folge der Nierenschwäche ohnehin dünnwandigen und verletzlichen Blutgefäße. Deshalb bekommen Betroffene, die eine Langzeitdialyse brauchen, eine Art künstliche Vene – den sogenannten Dialyse-Shunt.
Durch einen kleinen Schnitt am Unterarm werden eine Arterie und eine Vene freigelegt, nahe zueinander gebracht und entweder aneinandergenäht oder über einen kurzen Kunststoffschlauch verbunden. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung.
Der Effekt: Weil arterielles Blut mit mehr Druck als venöses Blut fließt, muss sich die Vene diesen neuen Druckverhältnissen anpassen. Sie erweitert und verdickt sich und verkraftet die häufigen Einstiche besser.

Der Dialyse-Shunt stört die Betroffenen in der Regel kaum. Es kann allerdings passieren, dass sich ein Blutgerinnsel bildet und den Shunt verschließt. Mittels eines kleinen Eingriffs lässt der Shunt sich problemlos öffnen. Eventuelle Engstellen können mithilfe eines Ballonkatheters erweitert werden.

Dialysezentrum oder Heimbehandlung?
Für die Langzeittherapie bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz müssen die Patientinnen und Patienten in der Regel dreimal pro Woche an den Dialysator. Die Dauer einer Behandlung hängt vom Krankheitsstadium ab. Sie kann zwischen drei und acht Stunden liegen.

Die meisten Betroffenen gehen zur Behandlung in ein Dialysezentrum, wo sie von den dort tätigen Fachkräften gut versorgt und überwacht werden. Allerdings bedeutet die regelmäßige Behandlung zu fest vereinbarten Zeiten auch eine große Einschränkung für das private und berufliche Leben.

Um mehr zeitliche Flexibilität zu gewinnen, entscheiden sich deshalb manche Patientinnen und Patienten für die Heimdialyse. Voraussetzung ist, dass die nötigen hygienischen und technischen Anforderungen eingehalten werden können und die zu Behandelnden ein intensives mehrwöchiges Training absolvieren.

Bei der Dialysebehandlung zu Hause wird der Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten regelmäßig im betreuenden Dialysezentrum ärztlich kontrolliert. Außerdem müssen rund um die Uhr Ansprechpartnerinnen oder Ansprechpartner für mögliche medizinische oder technische Probleme zur Verfügung stehen.

Peritonealdialyse: Reinigung von innen

Blutwäsche über das Bauchfell

Bei der Peritonealdialyse dient das körpereigene Bauchfell („Peritoneum“) als filternde Membran und die Bauchhöhle ist ständig mit zwei bis zweieinhalb Litern Dialyseflüssigkeit gefüllt.

Das Dialysat wird in regelmäßigen Abständen über einen Katheter ausgetauscht. Dabei sind zwei Varianten möglich: Die Flüssigkeit wird mit Beuteln vier- bis fünfmal täglich von den Patientinnen und Patienten selbst oder von Angehörigen ausgewechselt. Oder aber der Austausch des Dialysats erfolgt automatisch über ein an den Venenkatheter angeschlossenes Gerät (PD-Cycler).
Am bequemsten für die Betroffenen ist dabei die „nächtliche“ Variante: Sie schließen sich abends für etwa acht Stunden an das Gerät an – die Dialyse samt Austausch des Dialysats erfolgt in der Nacht. Zusätzlich kann allerdings ein- bis zweimal täglich ein „Beutelwechsel“ erforderlich sein.

Obwohl die Bauchfelldialyse zeitliche Unabhängigkeit mit sich bringt, ist sie noch nicht verbreitet. Viele Betroffene scheuen sich vor der hohen Eigenverantwortung. Hinzu kommt, dass die Methode etwas weniger effektiv ist, also weniger geeignet bei schwerer chronischer Insuffizienz.

Voraussetzungen für die Peritonealdialyse
Die Peritonealdialyse kann ambulant in einem Dialysezentrum durchgeführt werden, aber fast immer wird sie als Möglichkeit für eine Heimdialyse genutzt. Zuvor ist eine intensive mehrwöchige Schulung nötig, idealerweise werden auch Angehörige einbezogen.
Eine kontinuierliche medizinische Betreuung und regelmäßige Kontrollen in einem Dialysezentrum sind wie bei jeder Heimdialyse unverzichtbar.

 

Nebenwirkungen der Dialyse

Wie gut wird die Dialysebehandlung vertragen?
In Deutschland werden geschätzt derzeit 80 000 bis 100 000 Menschen mit einer Dialyse behandelt. Viele können dadurch auch mit einem schweren Nierenleiden leben. Doch die Dialyse ist auch eine große Herausforderung für den Organismus. Durch den Abfall des Blutdrucks kann es schon während der Behandlung zu Schwindel und Müdigkeit, manchmal auch Muskelkrämpfen kommen.

Häufiger sind die Langzeitnebenwirkungen, da auch bei optimal und regelmäßig durchgeführten Blutwäschen immer Rest-Giftstoffe im Köper verbleiben:

  • Juckreiz, Hautempfindlichkeiten, Kribbeln
  • Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Knochenschmerzen
  • Libidostörungen
  • Herz- und Muskelschwäche
  • depressive Verstimmung


Wie lange kann man mit Dialyse leben?

Zusätzliche Unterstützung für den Körper
Mithilfe einer Dialyse ist es heute möglich, über viele Jahre trotz eines Nierenleidens ein gutes Leben zu führen. Ob das gelingt, hängt aber auch davon ab, wie sorgfältig die Patientinnen und Patienten zusätzliche Maßnahmen anwenden. Zum Beispiel:

  • Nierendiät
  • Überwachung der täglichen Trinkmenge
  • Einstellung des Blutdrucks
  • regelmäßige Einnahme der nötigen Medikamente

Heutzutage brauchen viele nierenkranke Patientinnen und Patienten nur vorübergehend eine Dialysebehandlung. Ziel ist, die Zeit bis zu einer Nierentransplantation zu überbrücken. Danach kann die Dialyse abgesetzt werden. Dank der heute möglichen Kombination von Dialyse und Nierenersatz unterscheidet sich die Lebenserwartung von Patientinnen und Patienten mit schwerster Niereninsuffizienz kaum noch von der Lebenserwartung nierengesunder Menschen.

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