Wenn die konservative Therapie keine Aussicht auf Erfolg hat oder trotz aller nicht operativen Behandlungsmethoden Bewegungseinschränkung und Schmerzen die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen, müssen wir den Riss der Sehne in der betroffenen Schulter durch eine Operation reparieren. Nur so können auch Folgeschäden im Gelenk vermieden werden. Durch unsere Erfahrung und Qualitätsstandards ist die Operation nahezu immer minimalinvasiv möglich, sodass die gerissenen Sehnen über eine Gelenkspiegelung, eine sogenannte Arthroskopie (Schlüsselloch-Technik) wieder genäht werden können. Bei diesem Verfahren wird die OP mittels kleiner Hautschnitte (0,5 bis ein Zentimeter), einer Kamera und feiner Instrumente im Gelenk durchgeführt. Dies ist besonders gewebeschonend und sorgt für eine schnellere Genesung nach dem Eingriff.
Trotzdem ist die operative Naht der gerissenen Sehnen meist mit einer langwierigen Nachbehandlung verbunden. Es kann mehrere Monate dauern, bis die Sehne wieder eingeheilt ist. So kann nach der OP je nach beruflicher Belastung auch eine mehrmonatige Arbeitsunfähigkeit bestehen.
Arthroskopische Rekonstruktion der Rotatorenmanschette
Liegen eine deutliche Verschiebung der Knochenfragmente und eine instabile Fraktursituation vor, können die Chancen auf ein gutes Ausheilen und Wiedererlangung der Schulterfunktion ohne Operation schlecht sein, sodass die operative Rekonstruktion nötig wird. Dabei wird in der Regel über einen circa sieben bis acht Zentimeter langen Hautschnitt an der äußeren Vorderseite der Schulter nach Einrichten und Stabilisierung des Bruchs eine Platte (Plattenosteosynthese) seitlich angelegt und mit mehreren Schrauben fixiert. Bei verminderter Knochenqualität muss gegebenenfalls der Bruch mit künstlichem beziehungsweise körperfremdem Knochenmaterial unterstützt und aufgefüllt werden. In der Schön Klinik München Harlaching werden sowohl Titanplatten als auch karbonverstärkte Kunststoffplatten verwendet. Insbesondere bei Brüchen unterhalb des Oberarmkopfes (subkapitale Humeruskopffraktur) ist auch die Verwendung eines Titanmarknagels möglich, um die Bruchfragmente wieder in die korrekte Position zu bringen und zu fixieren.
Sollte man während der Operation eine starke Entzündung beziehungsweise einen zusätzlichen Teilriss auch der langen Bizepssehne feststellen, wird die Sehne entweder an Ihrem Ursprung abgesetzt oder in Ihrem Verlauf am Oberarm wieder fixiert (siehe SLAP-Läsion). Ein begleitender knöcherner Engpass unter dem Schulterdach (sogenanntes Impingementsyndrom) kann ebenfalls während der Operation durch Abtragen beziehungsweise Abschleifen der einengenden Knochenkanten (Knochensporn) beseitigt werden.
Der Eingriff wird in den meisten Fällen stationär mit zwei Tagen Klinikaufenthalt durchgeführt.
Sehnen-Ersatz-Plastik (SCR – obere Kapselplastik)
Wenn ein Schaden der Sehne schon lange besteht, ist es möglich, dass sich der Sehnenstumpf bereits weit vom Knochen zurückgezogen hat oder der zugehörige Muskel sich durch die Inaktivität so weit abgebaut und verfettet hat, dass eine Refixierung nicht mehr möglich beziehungsweise sinnvoll ist. Es besteht die Gefahr, dass der Oberarmkopf durch die fehlende Zentrierung in der Gelenkpfanne im weiteren Verlauf unter das Schulterdach steigt, sich die Funktion der betroffenen Schulter zunehmend verschlechtert und eine Arthrose im Gelenk entsteht (Defektarthropathie).
Um dies zu vermeiden und die Funktion der Schulter zu verbessern, besteht insbesondere bei Patientinnen und Patienten unter 60 Jahren, die körperlich noch sehr aktiv sind, die Möglichkeit, die gerissenen Sehnen, die nicht mehr zu rekonstruieren sind, durch eine Art Flicken zu ersetzen. Das Verfahren wird obere Kapselplastik genannt (SCR), weil es durch den Flicken im Bereich des Sehnendefektes zu einer Verstärkung der oberen Kapsel kommt. Dadurch wird die betroffene Schulter wieder besser zentriert und es kommt zu einer Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion mit besserer Kraftentwicklung. Als Flicken dient in der Regel eine Spenderhaut von der Gewebebank.
Die Nachbehandlung ist aufwendig und ähnelt der Nachbehandlung bei einer großen Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion. Der betroffene Arm wird für insgesamt sechs Wochen in einem Abspreizkissen (Abduktionsorthese) ruhiggestellt.
Muskel-Sehnen-Transfer als motorischer Ersatz
In ausgewählten Fällen bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit Sehnendefekten, die nicht mehr zu rekonstruieren sind, ist ein Muskel-Sehnen-Transfer eine weitere operative Therapie-Option. Hierbei wird in einer offenen Operation eine intakte Sehne zum Beispiel eines Rückenmuskels (Latissimus-dorsi-Transfer) vom Oberarmansatz abgelöst und nach oben außen an den Oberarmkopf verlagert. Hierdurch übernimmt ein intakter Muskel samt Sehne die Funktion der chronisch gerissenen Sehne der Rotatorenmanschette. Das Umlernen des Muskels für seine neue Funktion ist besonders bei Menschen unter 60 Jahren gut möglich. Allerdings ist die Nachbehandlung sehr aufwendig und dauert mit drei bis sechs Monaten sehr lange. Dabei setzen wir auf moderne Therapieverfahren mit physiotherapeutischen Übungs- und Trainingsprogrammen mit dem sogenannten EMS-Training (Elektromyostimulation) sowie dem Biofeedbackverfahren. Hierbei werden Ihre Muskeln mittels elektrischer Impulse stimuliert, sodass Sie lernen, einzelne Muskelpartien gezielt anzusteuern.
Implantation einer inversen Schulter-Totalendoprothese
Ist das Schultergelenk neben dem Sehnenriss auch schon von einem fortgeschrittenen degenerativen Verschleiß (Arthrose) betroffen und besteht der Schaden der Sehne schon so lange, dass die zugehörige Muskulatur bereits verkümmert (atrophiert) ist, ergibt eine Refixierung der Rotatorenmanschette keinen Sinn mehr. Insbesondere bei älteren Menschen besteht in der Implantation einer inversen Schulterprothese eine sehr gute Alternative zum Rekonstruktionsversuch. Bei der inversen (umgekehrte) Prothese wird die neue Kugel des Gelenks an der ehemaligen Schulterpfanne und die neue Gelenkpfanne am ehemaligen Oberarmkopf befestigt. Die Gelenkpartner werden sozusagen „umgedreht“. Dadurch wird das Drehzentrum des betroffenen Schultergelenks verändert und der Deltamuskel der Schulter kann die Funktion der chronisch gerissenen Rotatorenmanschette teilweise übernehmen.
Die modernen inversen Schulterprothesen können meistens ohne Zement weichteilschonend über einen sieben bis acht Zentimeter langen Schnitt an der Vorderseite der Schulter eingebracht werden. Die Prothesen halten in der Regel über 15 Jahre. Großer Vorteil der Prothese im Gegensatz zur Sehnenrekonstruktion ist die schnelle Rekonvaleszenz. Der Arm muss nur circa eine Woche in einer Armschlinge ruhiggestellt werden und Sie können Ihr Gelenk sehr schnell wieder belasten. Wenn auch vermeintlich der größere Eingriff ist die Einsatzfähigkeit Ihres Arms im Alltag mit diesem Verfahren am schnellsten wiederhergestellt.
Der stationäre Aufenthalt beträgt hierbei vier bis sieben Tage. Direkt nach der OP beginnen Sie mit Physiotherapie, um Ihre Gelenkfunktion schnell wieder zu erreichen. Im Anschluss an die Operation empfehlen wir eine ambulante oder stationäre Rehabilitation, die wir gerne für Sie organisieren. Sie vereinfacht die Rückkehr in den Alltag.