Ruhigstellung nach der distalen Humerusfraktur
Bei Kindern wird eine einfache distale Humerusfraktur für vier Wochen mit einem Oberarmgips oder einem Castverband ruhiggestellt. Das Handgelenk ist dabei über eine Schlinge am Hals fixiert. Speziell für Kinder gibt es heute bunte und bedruckte Gipsverbände – das macht die Situation für sie etwas leichter. Bei unkomplizierten Brüchen ohne Verletzung der Wachstumsfuge verheilt die distale Oberarmfraktur in den meisten Fällen komplikationslos. Mögliche Verschiebungen der Knochen gleichen sich beim Knochenwachstum in der Regel aus.
Bei Erwachsenen bewährt sich initial eine Gipsschiene, die bis zum Abschwellen des Arms (ca. eine Woche) verbleibt. Im Anschluss daran wird der Oberarm mit einem geschlossenen Gipsverband für zwei Wochen ruhiggestellt. Für die restliche Heilungszeit kann auf den leichteren Castverband umgestiegen werden.
OP der distalen Humerusfraktur bei Erwachsenen
Ziel der operativen Versorgung einer distalen Oberarmfraktur ist, die anatomische Ausgangssituation des Oberarms und des Ellenbogens möglichst exakt zu rekonstruieren, damit keine Bewegungseinschränkung zurückbleibt und auch keine Folgeschäden (zum Beispiel Arthrose) entstehen. Dabei soll die Versorgung so stabil sein, dass eine rasche Mobilisierung des Arms und des Ellenbogens möglich wird.
Wie bei den meisten Armfrakturen kommt auch bei der distalen Humerusfraktur die sogenannte Osteosynthese (Wiederherstellung des Knochens) zum Einsatz. Dazu werden die einzelnen Bruchstücke in die korrekte anatomische Position zurückgebracht und anschließend mit Drähten, Schrauben, winkelstabilen Platten oder einem Marknagel (in der Markhöhle) fixiert. Welches osteosynthetische System geeignet ist, richtet sich nach Art und Schwere der distalen Humerusfraktur.
Mit den modernen minimalinvasiven Operationstechniken können die Platten, Nägel und Schrauben über sehr kleine Hautschnitte schonend eingebracht werden. Ob sie später mit einem zweiten Eingriff wieder entfernt werden, hängt vom verwendeten Material ab.
Weitere Behandlungsverfahren
Bei Trümmerbrüchen und bei Patientinnen und Patienten mit Osteoporose kann statt der Osteosynthese die Implantation einer Endoprothese die optimale Therapie-Option für die distale Humerusfraktur sein.
Bei schweren offenen Brüchen und/oder schweren Weichteilverletzungen kann vor der Osteosynthese eine Behandlung mit externen Spannern nötig sein. Bei diesen sogenannten Fixateuren handelt es sich um ein starres Haltegestell, das operativ (in Vollnarkose) außen am Arm angebracht und mit langen Schrauben am Knochen fixiert wird. So werden die einzelnen Knochenfragmente stabilisiert und sie verschieben sich nicht gegeneinander.
Grund für die Wahl dieser Erstversorgung ist das erhöhte Infektionsrisiko bei offenen Brüchen und Weichteilverletzungen. So bald wie möglich folgt die operative Osteosynthese und die Wunde kann zugenäht werden.