Wachstumsstörung der Wirbelsäule (Morbus Scheuermann)

Wir bringen die kindliche Wirbelsäule wieder in Form

Die gesunde Wirbelsäule bildet von der Seite her betrachtet ihre typische S-Form. Hals- und Lendenwirbelbereich sind leicht nach vorne (ventral) und die Brust- und Sakralwirbel nach hinten (dorsal) gekrümmt. Beim Morbus Scheuermann ist diese natürliche Wirbelsäulenform aufgrund einer Wachstumsstörung krankhaft verändert und die Wirbelsäule im Bereich der Brustwirbel stark nach hinten verkrümmt (Hyperkyphose). Diese Verformung führt zu einem Rundrücken bis hin zu einem sichtbaren Buckel und kann Rückenschmerzen, Muskelverspannungen und Wirbelgelenkblockaden auslösen sowie langfristig vorzeitigen Verschleiß (Wirbelsäulenarthrose) verursachen.

Unsere Spezialisten der Kinderorthopädie in den Schön Kliniken behandeln Morbus Scheuermann frühestmöglich, um akute Beschwerden zu lindern und langfristigen Folgeschäden vorzubeugen.

Fachlich geprüft von Dr. Michael Poschmann

Ursachen des Morbus Scheuermann

Die Ursache für Morbus Scheuermann ist bislang noch nicht genau bekannt, allerdings tritt er gehäuft familiär auf, weshalb eine erbliche Komponente vermutet wird. Darüber hinaus spielen in manchen Fällen Vitaminmangelsyndrome eine Rolle und bestimmte Risikofaktoren können Morbus Scheuermann begünstigen. Dazu zählen eine schwache Bauch- und Rückenmuskulatur, Fehlhaltungen, ein schnelles Wachstum und rückenbelastende Sportarten. Mehrere Auslöser spielen bei der Entstehung von Morbus Scheuermann eine Rolle, weshalb er als multifaktoriell verursachte Erkrankung bezeichnet wird. Oft wird er bereits im Alter zwischen 12 und 17 Jahren festgestellt, wobei Jungen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen.
Jugendlicher wird von einem Arzt am Rücken und Nacken auf Wirbelsäulenverkrümmung untersucht

Symptome des Morbus Scheuermann

Die Symptome des Morbus Scheuermann sind individuell verschieden und hängen unter anderem von der Beschaffenheit der Rücken- und Brustmuskulatur und dem Grad der Brustwirbelverkrümmung ab. Typisch sind ein Rundrücken bis hin zu einem Buckel, eine verminderte Körpergröße, eine eingeschränkte Rückenbeweglichkeit, Muskelverspannungen, Schmerzen im unteren und mittleren Rücken sowie im Nacken. In schweren Fällen kann er zu einer Störung der Herz- und Lungenfunktion oder neurologischen Ausfällen führen. Durch das ungleichmäßige Wachstum der Wirbel kann sich zusätzlich eine Seitwärtskrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) entwickeln.

So stellen wir die Diagnose Morbus Scheuermann

Unsere orthopädischen Spezialisten klären in einem ausführlichen Gespräch den Krankheitsverlauf sowie vorliegende Beschwerden bei Ihrem Kind. Meist sind dies unerklärliche Rückenschmerzen oder ein optisch als störend empfundener Rundrücken. Dabei berücksichtigen wir, ob die Rückenschmerzen sich bei Belastung verschlechtern und bei Ruhe bessern, ob es an einem Rundrücken leidende Familienangehörige gibt und ob weitere Einschränkungen, Schmerzen oder neurologische Störungen vorliegen. Für die körperliche Untersuchung stehen verschiedene schmerzfreie Testmöglichkeiten zur Verfügung, die weiteren Aufschluss liefern. Um die Diagnose abzusichern und von einer ungesunden, vorgebeugten Körperhaltung zu unterscheiden, setzen wir zudem bildgebende Verfahren ein.

Bildgebende Diagnostikverfahren

Häufig führt ein Röntgenbild, das aufgrund einer anderen Erkrankung angefertigt wird, zu dem Zufallsbefund Morbus Scheuermann. Eine Röntgenaufnahme ist in jedem Fall immer notwendig, um die Diagnose zu sichern. Darauf lassen sich typische Veränderungen der Wirbelsäule darstellen wie Keilwirbel, ein verschmälerter Bandscheibenraum, kleine Hohlräume (Kavernen) in den Deck- oder Bodenplatten der Wirbelkörper oder eingebrochene Deckplatten, durch die sich Hohlräume bilden, in die Bandscheibenmaterial vordringt (Schmorl Knorpelknötchen). Bei mindestens drei benachbarten, keilförmig veränderten Wirbeln gilt die Diagnose Morbus Scheuermann als gesichert. Anhand des Röntgenbildes können wir zudem mithilfe des Cobb-Winkels das Ausmaß der Wirbelsäulenverkrümmung bestimmen, das wesentlich für die Wahl der anschließenden Therapie ist.
 

Körperliche Tests bei Morbus Scheuermann

Beim Vorneigetest wird der Rumpf im Stand vornübergebeugt, sodass der für Morbus Scheuermann typische Rundrücken sichtbar hervortritt. Auch wenn bei bewusstem Aufrichten die Rückenfehlstellung nicht komplett korrigiert werden kann, ist dies ein Hinweis auf Morbus Scheuermann.

Messbare körperliche Tests bei Morbus Scheuermann
Schober-Test (Prüfung der Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule): Zwei Hautmarkierungen werden auf dem Rücken in aufrechter Position in einem Abstand von 10 cm gesetzt. Bei maximalem Vornüberbeugen (Flexion) verändert sich der Abstand der beiden Markierungen. Bei Gesunden vergrößert sich der Abstand zwischen den Markierungen um 5 cm, bei Morbus Scheuermann verkürzt sich der Abstand. Der Schober-Test wird auch zur Diagnose anderer Erkrankungen der Wirbelsäule, wie Morbus Bechterew, eingesetzt und ist daher nur bedingt aussagekräftig.

Ott-Test (Prüfung der Restbeweglichkeit der Brustwirbelsäule): Zwei Hautstellen werden am Rücken markiert, einmal am 7. Halswirbel und einmal 30 cm tiefer. Bei maximalem Vornüberbeugen sollte der Abstand der Markierungen sich etwa um 2 cm verlängern, beim Rückwärtsbeugen um etwa 1 cm verkürzen. Ist der Abstand beim Vorbeugen geringer, deutet dies auf eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule, wie bei Morbus Scheuermann, hin.
 
Kind sitzt auf den Schultern eines Erwachsenen im Park, beide haben die Arme ausgestreckt

Wir verhelfen Ihrem Kind zu einer aufrechten Körperhaltung

Die Therapie des Morbus Scheuermann richten wir nach den individuellen Beschwerden Ihres Kindes sowie der Stärke der Wirbelsäulenverkrümmung aus, die wir anhand des Cobb-Winkels bestimmt haben. Bei einer normalen Brustwirbelsäulenkrümmung (Kyphose) liegt der Winkel zwischen 20 und 40 Grad. Bei einem Winkel bis zu 50 Grad behandeln wir in der Regel konservativ mit Physiotherapie. Liegt der Winkel zwischen 50 und 70 Grad, empfehlen wir bei Kindern in der Wachstumsphase zusätzlich ein Korsett (Orthese), das die aufrechte Körperhaltung unterstützt. Eine Operation kommt nur in äußerst seltenen Fällen (Winkel > 75 Grad) und nach Abschluss der Wachstumsphase in Betracht.

So behandeln wir den Morbus Scheuermann bei Ihrem Kind ohne Operation

Morbus Scheuermann ist eine Erkrankung, die meist konservativ gut behandelbar ist und am Ende der Wachstumsphase von allein zum Stillstand kommt. Der Krümmung der Wirbelsäule können Patientinnen und Patienten aktiv entgegenwirken, indem sie in Bauchlage auf einer eher harten Matratze schlafen und Sportarten ausüben, die den Rücken und die Wirbelsäule möglichst wenig belasten. Hierzu beraten unsere Experten Sie und Ihr Kind individuell.

Schmerzlindernde und muskelentspannende Medikamente helfen Ihrem Kind, eine Schonhaltung zu vermeiden, und ermöglichen ein schmerzfreies physiotherapeutisches Training. Dieses spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung des Morbus Scheuermann, um das Fortschreiten zu verlangsamen oder aufzuhalten. Bei leichten Erkrankungsformen und einer frühzeitigen Diagnose reicht eine konsequent durchgeführte und auf Ihr Kind abgestimmte Krankengymnastik aus. Unsere speziell ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten unterstützen dabei, die Rumpfmuskulatur zu stärken und zu stabilisieren und eine ausgeglichene Bauch- und Rückenmuskulatur aufzubauen. Wenn die Physiotherapie alleine nicht den gewünschten Erfolg erzielt, kann Kindern in der Wachstumsphase zusätzlich ein Stützkorsett helfen, die Haltung zu korrigieren, das Fortschreiten aufzuhalten und die Rückenschmerzen deutlich zu reduzieren.

So operieren wir bei Morbus Scheuermann

Eine Operation des Morbus Scheuermann kommt nur in seltenen und schweren Ausnahmefällen und nur nach abgeschlossener Wachstumsphase in Betracht. Bei Mädchen ist dies frühestens ab dem 16. Lebensjahr und bei Jungen ab dem 19. Lebensjahr der Fall. Bei einem Krümmungswinkel der Brustwirbelsäule von mindesten 75 Grad und starken Rückenschmerzen, die nicht konservativ behandelbar sind, kann eine Wirbelsäulenversteifung (Spondylodese) helfen, die Schmerzen zu beheben, die Stützfunktion der Wirbelsäule wiederherzustellen und zu vermeiden, dass der starke Druck auf das Rückenmark (Kompression) zu neurologischen Ausfällen führt. Die Wirbelsäulenversteifung ist eine Operation, bei der die Wirbelkörper im betroffenen Wirbelsäulenabschnitt durch Schrauben in die richtige Position gebracht und versteift sowie durch kleine Verbindungen stabilisiert werden. Im Rahmen des Eingriffs können wir auch geschädigte Bandscheiben entfernen und durch körpereigenes Knochengewebe ersetzen. Die Operation erfolgt unter Vollnarkose.
Kind sitzt auf den Schultern eines Erwachsenen im Park, beide haben die Arme ausgestreckt

Anschlussheilbehandlung nach Operation

In den ersten Wochen nach der Operation hilft eine spezielle Rückenbandage (Lumbalmieder, Korsett), den operierten Bereich zu stützen und ruhigzustellen. Bereits ab dem Folgetag der Operation beginnen unsere Spezialisten der Physiotherapie mit der manuellen Bewegungstherapie und zeigen Ihrem Kind, wie die Wirbelsäule im Liegen, beim Aufsetzen und im Stand weitestgehend geschont werden kann (En-bloc-Mobilisation). In den ersten vier Wochen nach der Operation sollten tiefes Sitzen und Bücken komplett vermieden werden. Nach abgeschlossener Heilungsphase folgt eine Anschlussheilbehandlung, in deren Rahmen Ihr Kind unter therapeutischer Anleitung gezielt Muskeln aufbaut und kräftigt, um die Wirbelsäule zu stärken, damit sie wieder beweglich und belastbar wird.

Bei unseren erfahrenen Experten in den Schön Kliniken ist Ihr Kind mit Morbus Scheuermann von der Diagnose über die Therapie bis hin zur Nachsorge in besten Händen.

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