Wechseloperation nach Gelenkersatz

Damit Sie auch morgen noch mobil sind

Die hohe Qualität moderner Endoprothesen und ausgereifte operative Techniken schenken vielen Menschen Schmerzfreiheit und Beweglichkeit bis ans Lebensende. Jedoch können sich auch beste Implantate unter bestimmten Bedingungen vorzeitig lockern. Dann ist eine Wechseloperation oft nicht zu umgehen.

Chirurgisch und orthopädisch ist eine Wechseloperation sehr anspruchsvoll. Die Schön Klinken sind dafür optimal ausgestattet. Unsere Endoprothetik-Spezialisten verfügen über das Wissen und die Erfahrung, um auch bei diesen komplexen Operationen beste Ergebnisse zu erzielen.

Fachlich geprüft von Dr. med. Karl Christian Westphal

Warum hält die Prothese nicht?

Für Hüftgelenk- und Kniegelenkprothesen wird eine Lebensdauer bis zu 15 Jahren, in Einzelfällen auch mehr, genannt. Bei Schulterprothesen ist sie etwas geringer. Wenn sich eine Gelenkprothese vor dieser erwartbaren Zeit abnutzt und vom Knochen lockert, löst sich das Problem nur in den seltensten Fällen von selbst. Eine sorgfältige Abklärung der Situation und der möglichen Ursachen ist dann nötig. Oft kommen mehrere ungünstige Faktoren zusammen, die das Gelenk schädigen. Grundsätzlich zu unterscheiden sind die sogenannte septische (durch eine Infektion verursachte) und die aseptische Lockerung.

Septische Lockerung
Schon bei der Implantation oder der anschließenden Wundheilung können Bakterien eingeschleppt werden, sich auf der Prothese ansiedeln und zu Entzündungen führen. Dank unserer effizienten Präventionsmaßnahmen bei der Implantation ist diese Komplikation heute zu einem seltenen Notfall geworden.
Zu einer Infektion kann es aber auch noch Jahre nach der Implantation kommen, wenn Bakterien aus einem anderen Bereich des Körpers (z. B. bei einem Harnwegsinfekt) über die Blutbahn zur Endoprothese wandern.


Aseptische Lockerung
Für eine Prothesen-Lockerung ohne Infektion kommen verschiedene Ursachen infrage. Häufig handelt es sich um Entzündungen durch mikroskopisch kleine Abriebpartikel, die sich vom Implantat beim Kontakt mit dem Knochen lösen. Sie rufen im umliegenden Gewebe eine Abwehrreaktion hervor und leiten damit den Abbau von Knochensubstanz ein. Zwar ist auch diese Komplikation heute, dank moderner abriebarmer Materialien, seltener geworden, ganz ausschließen lässt sie sich jedoch nicht.

Weitere mögliche aseptische Ursachen sind Knochenbrüche im Bereich des Ersatzgelenks (periprothetische Fraktur), Begleiterkrankungen wie Rheuma oder übermäßige Belastungen etwa durch starkes Übergewicht oder schwere körperliche Aktivitäten.
Knie- und Hüftgelenkprothesen als Modelle zur Veranschaulichung von Wechseloperationen

Die Schmerzen sind zurück

Wenn sich die Hüft- oder Knieprothese lockert, kehren die „alten“ Beschwerden zurück. Dazu gehören Schwellungen und Bewegungseinschränkungen, Gangunsicherheit sowie Schmerzen bei Bewegung und in Ruhe. Wo genau die Beschwerden auftreten, hängt auch davon ab, welcher Teil der Prothese sich lockert.

Anzeichen einer Infektion
Grippesymptome wie Schüttelfrost, Fieber, Krankheitsgefühl, die zeitnah nach der Erstimplantation auftreten, sind fast immer Anzeichen einer bakteriellen Infektion im neuen Gelenk.
Bei einer Spätinfektion können diese Symptome allerdings fehlen. Hier berichten die Patientinnen und Patienten vor allem von Schmerzen bei Bewegung und in Ruhe.
 

Untersuchungen für eine sichere Diagnose

Eine Gelenkprothese ersetzen wir nur, wenn wir die Ursachen für Ihre Beschwerden genau erkannt haben und einschätzen können, welche Art von Operation und welches neue Implantat den Schaden beheben können.
Zur Diagnostik zählen:
  • ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung, um Ihre Beschwerden genau zu orten und die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks festzustellen,
  • die Beurteilung früherer Bildgebungen des Implantats, vorangegangener OP-Berichte und des Prothesenpasses,
  • bildgebende Verfahren (Röntgen, Computertomografie, gegebenenfalls Magnetresonanztomografie), um den aktuellen Sitz der Prothesenteile und den Zustand der Knochen und des umliegenden Gewebes zu bestimmen,
  • weitere Untersuchungen, um andere orthopädische oder internistische Ursachen für die Beschwerden auszuschließen und
  • Laboruntersuchungen, um eine bakterielle Infektion auszuschließen.

Diagnostik bei einer Infektion

Bei einem Verdacht auf eine bakterielle Infektion werden nach der Röntgenuntersuchung die Entzündungswerte im Blut kontrolliert. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Infektion, punktieren wir das Gelenk und lassen die gewonnene Flüssigkeit im Labor untersuchen. Der Eingriff wird unter sterilen Bedingungen vorgenommen und kann ambulant erfolgen. Wir gehen sehr behutsam vor, so dass Sie keine Schmerzen spüren und keine Narkose benötigen.

In sehr unklaren Fällen entnehmen wir zusätzlich minimal-invasiv, also ohne einen größeren Eingriff, etwas Gewebe aus der Prothesenregion, um eine noch aussagekräftigere mikrobiologische Diagnose zu ermöglichen.
 
Zwei Personen joggen in Sportschuhen auf Asphalt mit Straßenbahnschienen

Wechseloperation – wann ist der richtige Zeitpunkt?

Die Entscheidung, ob und wann das Kunstgelenk ersetzt werden soll, muss individuell und abhängig von Ihren Beschwerden, Ihrer körperlichen Aktivität und vor allem der Situation Ihres Gelenks getroffen werden. Bei sich ständig intensivierenden Schmerzen, Bewegungsunsicherheiten, einem diagnostizierter Knochenabbau, der sich womöglich verschlimmert, und bei einer Infektion sollte nicht abgewartet werden.
 

Eine Sache für Spezialisten

Wahl des Implantats
Die Entscheidung für die Art des zweiten Implantats und seiner stabilen Verankerung wird von unseren Spezialisten wohlüberlegt getroffen. Derselbe Gelenktyp kommt meistens nicht mehr infrage. Denn die Situation im Gelenk hat sich Monate oder Jahre nach der ersten Operation möglicherweise durch Abbauprozesse verändert. Oft werden bei Wechseloperationen spezielle, meist etwas größere Revisionsimplantate eingesetzt.

Spezialimplantate zur Knochenverstärkung: In vielen Fällen müssen wir den noch vorhandenen Knochen mit Knochenersatzstoffen, Knochentransplantaten oder metallischem Knochenersatz verstärken, um einen sicheren Halt der Wechselprothese zu erreichen. Mit Spezialimplantaten wie Abstützschalen an der Gelenkpfanne können wir auch in geschwächtem Knochen ein stabiles Implantat verankern.

Teilersatz oder Komplettaustausch: Diese Entscheidung hängt ganz von der individuellen Situation ab. Häufig reicht es, die lockeren oder verschlissenen Teile der Komponenten auszutauschen. Zum Beispiel nur den Prothesenschaft oder nur die Gelenkpfanne oder das Pfanneninlay – vorausgesetzt die Ersatzteile sind noch verfügbar.
In anderen Fällen (zum Beispiel bei einer Infektion) kann der komplette Austausch oder auch der Wechsel von einer bisherigen Teil- auf eine Vollprothese die optimale Lösung sein.
 

Operation

Eine Wechseloperation ist anspruchsvoller und dauert deshalb meist länger als eine Erstimplantation. Unter größtmöglicher Schonung der Weichteile und knöchernen Strukturen entfernen wir zunächst die alten Implantate und setzen anschließend die erneuerten Komponenten ein. Zum Abschluss der Operation überprüfen wir den korrekten Sitz und die Beweglichkeit der neuen Prothese. Eventuell machen wir zur Sicherheit noch eine Röntgenaufnahme, bevor die Wunde vernäht und verbunden wird.

Wie bei der primären Endoprothetik setzen wir fremdblutsparende Maßnahmen und eine Schmerzbehandlung ein. Nach der Operation streben wir die frühestmögliche Mobilisierung unserer Patientinnen und Patienten an.
 

Operation bei einer Gelenkinfektion

Rechtzeitig erkannt und in einem frühen Stadium kann eine Gelenkinfektion eventuell noch durch Wundreinigung, Gelenkspülung und eine antibiotische Therapie erfolgreich behandelt werden. In diesem – allerdings seltenen – Fall, muss die Prothese nicht ausgetauscht werden.
Hat sich die Infektion schon stark ausgebreitet, lässt sich ein Komplettaustausch der Prothese nicht vermeiden. Oft sind dazu sogar zwei Eingriffe und mehr nötig. Zunächst wird das infizierte Implantat durch ein antibiotikahaltiges Provisorium ersetzt. Je nach Art der Erreger bleibt der Platzhalter für zwei bis sechs Wochen im Gelenk. Erst wenn völlige Keimfreiheit erreicht ist, kann die neue Prothese im Rahmen einer zweiten Operation implantiert werden.
Junge Physiotherapeutin hilft Seniorin bei Reha-Übung mit gelbem Theraband

Nach der Operation

Nach einer Infektion müssen Sie noch für mindestens zwei Wochen stationär mit einer intravenösen antibiotischen Therapie behandelt werden. Daran schließt sich eine längerfristige (drei Monate, manchmal auch längere) ambulante Phase der oralen Antibiose unter fortlaufender Kontrolle des Lokalbefundes und der Laborparameter an. Wie schnell Sie Ihr Gelenk wieder belasten dürfen, bespricht der Operateur mit Ihnen anhand der OP-Befunde und -maßnahmen.  
Die Anschlussbehandlungen und die Rehabilitationsphase nach einer Wechseloperation entsprechen in unkomplizierten Fällen denen nach der Erstimplantation. Bei aufwendigen Rekonstruktionen erstellen wir ein individuelles Konzept, das wir ausführlich mit Ihnen besprechen.
 

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