Infektionen der Hand

Bakterien keine Chance geben

Verletzungen an der Hand mit offenen Hautstellen heilen in der Regel komplikationslos ab. Doch eine offene Hautstelle bietet für Bakterien eine Möglichkeit, einzudringen und sich zu vermehren.

Unsere Spezialisten in den Schön Kliniken sind für Sie da, wenn sich aus einer normalen Verletzung eine schwere bakterielle Entzündung an der Hand entwickelt hat.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. Kai Megerle

Was ist eine Infektion der Hand?

Infektionen oder Entzündungen im Bereich der Hand können entstehen, wenn im Rahmen einer Verletzung Bakterien durch die Haut in die Tiefe eindringen.
Dies kann sich in mehreren Formen äußern:

Nagelwallentzündung (Paronychie)
Die Infektion des Weichteilrandes seitlich am Fingernagel kann mit Schwellung, Rötung, Schmerzhaftigkeit, später dann auch Eiteransammlung einhergehen. Schreitet die Infektion lokal in die Tiefe fort, kann sich eine Abszessbildung bis auf den Knochen oder das Gelenk entwickeln.

Beugesehnenphlegmone
Durch eine tiefgreifendere Verletzung der Hand können Bakterien bis zu den Sehnenscheiden vordringen und sich entlang dieser wie in einem Tunnel ausbreiten. Aufgrund der speziellen Anatomie der Beugesehnenscheiden kann bei Befall des Daumens oder des Kleinfingers eine sogenannte V-Phlegmone entstehen. Die Infektion kann sich in der Tiefe auf verschiedene Hohlhandräume ausbreiten. Typisch für dieses Krankheitsbild ist eine Fingerstellung mit leichter Überstreckung in den Fingergrundgelenken und Beugung in den Fingermittelgelenken. Besonders schmerzhaft ist der Versuch, den gebeugten Finger passiv in die Streckung zu bringen.

Gelenkempyem
Häufigste Ursache einer Gelenkentzündung ist eine vorangegangene Injektion in das Gelenk, aber auch offene Verletzungen oder operative Eingriffe können zu einer Keimausbreitung in das Gelenk führen.
 
Frau hält ihr rechtes Handgelenk, Nahaufnahme zur Veranschaulichung

Ursachen für Infektionen an der Hand

Als Verletzungsursache kommen zum Beispiel Schnitt-, Stich- oder Rissverletzungen infrage.
Besonders gefährlich sind Bissverletzungen, vor allem Katzenbissverletzungen, da durch die spitzen Zähne besonders virulente Keime in tiefe Gewebsschichten eindringen können. Darüber hinaus können nach Routineoperationen an der Hand sogenannte postoperative Wundinfekte entstehen.

Symptome: Rötung, Schwellung, Überwärmung

Typisch für die betroffene Hautregion ist eine Rötung, Schwellung und Überwärmung. Es kann sich eine lokale Ansammlung von Eiter ausbilden, man spricht dann von einer Abszessbildung, welche häufig mit einem pochenden Schmerz einhergeht.
Über die Lymphbahnen kann die Entzündung fortgeleitet werden, dies erkennt man an rötlichen Streifen in der Haut und an einer schmerzhaften Lymphknotenschwellung, zum Beispiel in der Achselhöhle.
 

Diagnose: Bildgebende Verfahren und Blutuntersuchungen geben Klarheit

Entscheidend ist das lokale Erscheinungsbild, also die klinische Symptomatik mit Rötung, Überwärmung und schmerzhaft eingeschränkter Funktion.
Ergänzend wird dann ein Röntgenbild angefertigt, wenn der Verdacht auf einen eingedrungenen röntgendichten Fremdkörper oder eine Knochen- oder Gelenkbeteiligung besteht.
Zusätzlich wird eine Blutuntersuchung vorgenommen, wobei vorrangig das C-reaktive Protein (CRP) und die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bestimmt werden.

Infektionen an der Hand - Konservative Behandlung

Bei beginnenden Symptomen ohne Abszessbildung kann gegebenenfalls die konservative Therapie mit Ruhigstellung in einer Schiene und je nach Ausmaß des Befundes Antibiotikatherapie erfolgen.

Infektionen an der Hand - Operative Behandlung

Ist die Infektion bereits zu weit fortgeschritten oder kommt es trotz konservativer Maßnahmen zur Zunahme der Symptome (Ausbreitung des Entzündungsherdes, prallelastische Abszessbildung), ist die operative Entlastung erforderlich.

Die operative Behandlung entzündlicher Infekte ist sehr häufig ein Notfalleingriff mit hoher zeitlicher Dringlichkeit. Bei der Operation wird der gesamte Abszess ausgeschnitten, die Wundhöhle gespült und abgestorbenes Gewebe oder Gewebeanteile entfernt, die sich nicht alleine erholen können.

Besonders wichtig ist die intraoperative Entnahme von Abstrichen zur mikrobiologischen Untersuchung, um dann eine gezielte antibiotische Therapie durchführen zu können.

​​​​​​​Therapie bei Nagelwallentzündung (Paronychie)
Die Therapie erfolgt zunächst konservativ durch Ruhigstellung, lokal desinfizierende Maßnahmen oder Fingerbäder. Bei fortschreitender Infektion sollte der Entzündungsherd durch eine operative Inzision entlastet werden.

Therapie bei Beugesehnenphlegmone
Therapeutisch kann kurzfristig versucht werden, konservativ durch Ruhigstellung und Kühlung gegebenenfalls in Kombination mit einer Antibiotikatherapie die Infektion zu beherrschen.

Bei einem Fortschreiten der Symptome sollte jedoch ohne große Zeitverzögerung operativ der Finger eröffnet, entzündetes Gewebe entfernt und der Beugesehnenkanal mit ausgespült werden, da anderenfalls gravierende Spätfolgen (Vernarbungen, Bewegungseinschränkungen, Funktionsverlust) drohen.

Therapie bei Gelenkempyem
Therapeutisch kann im frühen Stadium eine arthroskopische Gelenkspülung durchgeführt werden. In einem späteren Stadium muss das Gelenk operativ eröffnet, die entzündete Gelenkinnenhaut entfernt und gegebenenfalls Antibiotikaketten in das Gelenk eingebracht werden.

Regelhaft werden Abstriche entnommen, um eine gezielte Antibiose durchführen zu können. Anschließend ist eine ausreichende Ruhigstellung in einer entsprechend angepassten Schiene notwendig. Die Prognose hängt vom Ausmaß des Schadens an Knorpel und Bandstrukturen ab.
 

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