Behandlungsmethoden

Weniger-Anfaelle-durch-Ernaehrungsumstellung

Ganzheitliche Therapie – individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten

Je nach Epilepsieform, Krankheitsverlauf und Situation der Familie bieten wir Ihnen verschiedene Therapiemöglichkeiten an: von der medikamentösen über die chirurgische und psychotherapeutische Behandlung bis hin zu Beratung und Schulung. 

Gemeinsam mit Ihnen legen unsere Ärzte realistische Behandlungsziele fest, um Enttäuschungen zu vermeiden. Mögliche Therapieziele sind Anfallsfreiheit, seltenere Anfälle, keine Verletzungen, weniger Einschränkungen im Alltag oder eine Verbesserung der Lebensqualität.

Konservative Behandlungsmethoden

Medikamentöse Behandlung

Oft weiß man nicht, wann die Anfälle auftreten und wenn sie auftreten, geschieht es zum Teil sehr schnell. Deshalb ist eine gezielte Einnahme von Epilepsie-Medikamenten meist nicht möglich. Sie müssen Ihre Medikamente an allen Tagen des Jahres regelmäßig einnehmen, selbst wenn nur an fünf oder zehn Tagen ein Anfall aufgetreten wäre.

Die Wahl Ihres Medikamentes ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • Art der Anfälle
  • Form der Epilepsie
  • Ursache der Epilepsie
  • Lebensalter 
  • Verträglichkeit des Medikaments
  • Vor- oder Begleiterkrankungen
  • Bereits erfolgte Behandlung

Zum Teil dauert es einige Wochen oder sogar Monate, bis eine verlässliche Wirkung eingetreten ist. Auch ist die Wirksamkeit vieler Medikamente dosisabhängig. Tritt schließlich Anfallsfreiheit ein, sollten Sie die Medikamente noch mindestens ein bis zwei Jahre weiternehmen.

„Notfallmedikation“

In der Regel hören epileptische Anfälle von alleine wieder auf. Es gibt aber auch Medikamente, die in Notfällen eingesetzt werden können. 

Mögliche Notfälle:

  • Anfälle, die länger als drei Minuten dauern
  • Herdanfälle, die nach zehn Minuten nicht abklingen
  • Anfallsserien je nach individuellen Erfahrungen
  • Anfallsstatus

Kauen-und-Schlucken-von-fester-Nahrung

Weniger Anfälle durch spezielle Ernährung

Durch Ernährungsumstellung epileptische Anfälle verringern? Mithilfe der ketogenen Diät oder der modifizierten Atkins-Diät ist das tatsächlich möglich. Dabei wird die Ernährung auf fettreichere, kohlenhydratreduzierte Produkte umgestellt. Wer jetzt an Currywurst, Braten und Burger denkt, liegt falsch. Die ketogene Diät ist das genaue Gegenteil. Es werden vorwiegend gesunde Fette verwendet. So kann nicht nur die Anzahl epileptischer Anfälle verringert, sondern auch Ihr Ernährungszustand verbessert werden. Gleichzeitig können durch die Ernährungsumstellung Medikamente reduziert oder manchmal sogar überflüssig werden. 

Mit Psychotherapie den Anfall unter Kontrolle bringen

Verhaltensorientierte Strategien werden meist ergänzend zu Ihrer medikamentösen Therapie eingesetzt und in der Regel von Ihrer Krankenkasse bezahlt. Die psychotherapeutische Behandlung fördert gezielt die „Anfallsselbstkontrolle“ und kann Ihnen helfen, Konflikte und Ängste abzubauen sowie effektivere Verhaltensweisen für schwierige Situationen zu entwickeln. Nach und nach lernen Sie, Ihre Krankheit besser zu verarbeiten. Durch die psychische Entlastung kann es zu einer deutlichen Verbesserung der Anfallssituation kommen, besonders dadurch, dass die Angst vor der Krankheit gemildert wird. Manchmal verbessert sich auch der Umgang mit den Medikamenten, so dass deren Wirksamkeit erhöht wird.

Bestandteile der Therapie:

Im Vordergrund der Therapie steht der Umgang mit Anfallsauslösern und anfallsfördernden Faktoren sowie die Unterbrechung von Aura-eingeleiteten Anfällen.

  • Das Anfalls-Tagebuch
    Bei manchen Menschen führen bestimmte Auslöser, wie ein Schreck oder Flackerlicht, fast immer zu einem Anfall. Manche anfallsfördernde Faktoren erhöhen erst in Kombination die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls: Hier führt dann ein Schreck zum Beispiel nur bei zusätzlicher Anspannung oder Müdigkeit zu einem Anfall. Um solche Zusammenhänge zuverlässig zu entdecken, ist eine genaue Beobachtung erforderlich, am besten in Form eines Tagebuchs. Hier halten Sie fest, welche Faktoren Ihre Anfälle fördern, aber auch, in welchen Situationen selten oder nie Anfälle auftreten. Diese „stabilen Lebenssituationen“ sind für die Behandlung sehr wichtig. Sie zeigen Möglichkeiten eines besseren Umgangs mit anfallsfördernden Situationen und verringern so die Angst vor Anfällen. 
  • Die Anfall-Vermeidung
    Wenn wir anfallsfördernde Faktoren ermittelt haben, erarbeiten wir gemeinsam mit Ihnen einen gesundheitsfördernden Umgang mit diesen Situationen. Anfallsauslöser wie Flackerlicht können Sie zum Beispiel durch das Tragen einer dunklen Brille vermeiden. Faktoren, wie Schreck oder Wetterwechsel, sind unvermeidlich. Wenn man allerdings herausgefunden hat, dass zusätzliche Risikofaktoren, wie Schlafmangel oder Stress, eine Rolle spielen, kann man versuchen, diese zu beeinflussen. Gefühle wie Stress, Ärger oder Freude lassen sich zwar nicht vermeiden, aber man kann lernen, anders mit ihnen umzugehen. 
  • Die Aura-Unterbrechung
    Wenn der Anfall mit einer Aura beginnt, gibt es eine weitere Möglichkeit der Anfallsabwehr: die Unterbrechung der Aura.
    Die Grundregel für ein wirksames „Gegenmittel“ lautet, dass das „Gegenteil“ der Anfalls-Symptome versucht werden sollte: Einem „epileptischen Kribbeln“ wird durch Reiben der betroffenen Körperstelle begegnet, ein komischer Geschmack im Mund kann durch Einnahme einer Prise Salz unterbrochen werden, bei plötzlicher und intensiver Wahrnehmung der Farbe Rot wird intensiv an die Farbe Grün gedacht. Das Gegenmittel aktiviert gezielt die Nervenzellen, die dem epileptischen Herd benachbart sind und verhindert so die Ausbreitung der Anfallsaktivität im Gehirn. Dadurch wird der Anfall unterbrochen oder verschoben, sodass Sie Zeit gewinnen, um sich in Sicherheit zu bringen.
  • Die Anfalls-Unterbrechung
    Die Entwicklung von Strategien der Anfalls-Unterbrechung kann durch EEG-Biofeedback-Verfahren unterstützt werden. Dabei lernen Sie, einen wachen und entspannten Zustand Ihres Gehirns herzustellen, der mit epilepsietypischer Anfallsaktivität nicht vereinbar ist.

Operative Behandlungsmethoden

Operative Therapie

Nach ausführlichen Voruntersuchungen kann eine OP sinnvoll werden, wenn folgende Bedingungen vorliegen:

  • Mindestens zwei Medikamente haben nicht ausreichend gewirkt
  • Ursache der Epilepsie ist eine Gewebsveränderung im Gehirn, wie ein Tumor, eine Narbe, eine Fehlbildung der Hirnrinde oder eine Gefäßfehlbildung
  • Die Anfälle haben ihren Ursprungsort im Gehirn. An diesem Ursprungsort oder in seiner unmittelbaren Nähe befinden sich keine wichtigen Funktionen
  • Eine Entfernung des Gewebes ist ohne die Gefahr einer größeren Verletzung des Gehirns möglich

Bei der OP wird dann der Gehirnabschnitt mit den krankhaften Veränderungen identifiziert und anschließend operativ entfernt. Zwei Jahre nach der OP wird versucht, die Medikamente auszuschleichen.

Behandlung mit elektrischen Impulsen: die Vagusnerv-Stimulation

Wenn eine medikamentöse Therpaie nicht geholfen hat und eine operative Entfernung des krankhaften Areals nicht möglich ist, gibt es eine weitere Option: den sogenannten Vagusnerv-Stimulator. Dieses elektrische Gerät von der Größe einer Streichholzschachtel wird bei einem ambulanten Eingriff in eine Hautfalte unterhalb des Schlüsselbeins gelegt. Der Stimulator sendet nun über einen feinen Draht elektrische Impulse an den Hirnnerv Nervus Vagus, der sie ans Gehirn weiterleitet. Dauer, Stärke und Frequenz der Reize müssen bei der nachfolgenden Behandlung schrittweise so eingestellt werden, dass der beste Effekt auf die Anfälle erzielt wird.

Wenn Sie vor einem Anfall Warnzeichen spüren, können Sie mittels eines Magneten das Gerät gezielt anstellen. Manche Anfälle können auf diese Weise unterbrochen werden. 

Durch die Vagusnerv-Stimulation ist eine deutliche Anfallsreduktion möglich. Auch ein positiver Einfluss auf depressive Stimmungen wurde in vielen Fällen berichtet. Die Therapie mit Medikamenten wird nach wie vor beibehalten. Nach ca. sieben bis 12 Jahren ist ein weiterer Eingriff für den Batteriewechsel nötig. 

„Es ist natürlich meistens einfacher und viel weniger zeitaufwändig, einen Patienten medikamentös zu behandeln, als seine Ernährung umzustellen. Dennoch lohnt es sich in vielen Fällen.“ 
Prof. Dr. Gerhard Kluger