Einblicke in die Forschung

Rückenuntersuchung bei einer Patientin

Mit einer Studie machen Chirurgen der Schön Klinik ihre Arbeit noch sicherer 

Der Name der äußeren Hülle des Rückenmarks und seiner Nervenwurzeln, Dura Mater, leitet sich vom lateinischen Adjektiv für „hart“ ab. Was heißt jedoch „hart“ in diesem Zusammenhang? Auch der erfahrenste Operateur kann eine Verletzung dieser Nervenhaut nicht immer vermeiden, wenn er versucht, die Nervenwurzeln im Lendenbereich der Wirbelsäule vom Druck durch Gewebe zu entlasten.

Dieser Dekompression genannte Eingriff ist die am meisten verbreitete Operation am Nervenwurzelkanal (Spinalkanal) bei älteren Patienten. Seine Bedeutung in der medizinischen Versorgung wird in Zukunft noch zunehmen, weil damit die Selbstständigkeit gerade älterer Patienten erhalten werden kann. Verengungen des Nervenwurzelkanals (Spinalkanalstenosen) gelten als eine der Hauptursachen für Schmerzen im Rücken und in den Beinen und können zu bleibenden Nervenschädigungen führen.

Studie in renommierter wissenschaftlicher Zeitschrift

Der Zugang zum Spinalkanal erfolgt meistens über die Bogenplatte des Wirbels, der sogenannten Lamina. Der Knochen lässt sich nur mit Druck überwinden, die darunter liegende Nervenhaut (Dura) ist für den Chirurgen aber nicht direkt sichtbar. Dabei könne es zu Verletzungen der Dura, Duraläsion genannt, kommen, berichtet der Chefarzt Spinale Chirurgie der Schön Klinik Hamburg Eilbek, Privatdozent Dr. Ralph Kothe.

Gemeinsam mit sechs weiteren Medizinern hat Kothe in einer 2017 im European Spine Journal publizierten Studie untersucht, wie sich eine solche unbeabsichtigte Verletzung der Nervenhaut auf den Heilungsprozess und das Behandlungsergebnis auswirkt. Vor der Studie war die Meinung weit verbreitet, dass sich diese Komplikation gut durch Nähen oder Kleben der Risse behandeln ließe und keine Langzeitfolgen für den Patienten nach sich ziehen würde.

Zusammenhang mit dem Rückgang der Schmerzen nachgewiesen

Die Studie von Kothe und seinen Kollegen kommt zu anderen Ergebnissen: Ohne Verletzung der Nervenhaut liegt die Aufenthaltsdauer in der Klinik bei 6,4 Tagen, mit Verletzung beträgt sie 8,0 Tage. Der Unterschied lässt sich auch noch zwölf Monate nach dem Eingriff eindeutig belegen: Patienten ohne eine Duraläsion erfreuen sich einer deutlich stärkeren Verbesserung ihrer Rückenschmerzen. Die Studie beweist, dass eine Dura-Verletzung per se als Komplikation erfasst werden muss.

Unterstützung aus der Klinik entscheidend

Der Vorteil von Kothes Forschergruppe war, dass sie in der Schön Klinik sowohl auf eine sehr hohe Fallzahl als auch auf eine sehr homogene Gruppe der untersuchten Patienten zurückgreifen konnte. Insgesamt mehr als 800 Patienten aus der Schön Klinik Hamburg Eilbek, Neustadt (in Schleswig-Holstein) und München Harlaching nahmen an der Studie teil. Ihr Durchschnittsalter lag bei 70 Jahren. Die Schön Klinik befragt ihre Patienten drei bzw. zwölf Monate nach der Operation und verfügt damit über ein detailliertes Instrument, um das Behandlungsergebnis auch aus Patientensicht zu messen.

Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Kothe, wie mühsam es sein kann, im Klinikalltag Daten über die Behandlungsqualität zu erheben. Er war früher an einem großen kommunalen Krankenhaus tätig und hat schon damals mit seiner Abteilung am Register der Europäischen Wirbelsäulengesellschaft teilgenommen. „Die Daten einzugeben war die Aufgabe von mir und meinem Team. Aber in der täglichen Routine gelingt das nicht. Und was man vor allem nicht schafft, ist die Patienten noch einmal anzuschreiben und danach die Antworten auszuwerten. Dies kann nur funktionieren, wenn diese Arbeit über ein eigenständiges Qualitätsmanagement wie in der Schön Klinik professionalisiert ist“, berichtet er. Seine Studie kommt auf eine rund 70-prozentige Antwortrate der Patienten.

Patienten profitieren unmittelbar von der Forschung

Von den Ergebnissen profitieren die Patienten unmittelbar. Durch die Auswertung der mehr als 800 Datensätze kann ein Chirurg Risikopatienten, die z. B. eine Zyste im Spinalkanal haben, bereits vor dem Eingriff bestimmen und sich besser vorbereiten. Auch für das Benchmarking hat Kothes Arbeit einen Fortschritt gebracht. Eine Dura-Verletzung trat nach dieser Untersuchung in der Schön Klinik bei 6,5 Prozent der Fälle auf. „Das sind harte Zahlen, auf die ich mich auch in der OP-Aufklärung gegenüber dem Patienten beziehen kann. Bei einer Komplikationsrate von zehn Prozent wüssten wir, dass etwas nicht in Ordnung ist,“ bemerkt Kothe. In der Fachliteratur sind Komplikationsraten zwischen drei und 16 Prozent dokumentiert.

Spezialisiert auf die Wirbelsäule