Volkskrankheit Adipositas

Nina Rohr hat seit ihrer Schlauchmagen-OP stark abgenommen und hält ihr Gewicht seither

Patientin und Expertin im Gespräch

Als junge Mutter war sie zu dick für die Schaukel auf dem Kinderspielplatz, heute ist sie begeisterte Triathletin: Nina Rohr hat dank ihres Schlauchmagens 50 Kilogramm dauerhaft abgenommen. Operiert wurde sie von Dr. Beate Herbig in der Adipositas Klinik der Schön Klinik Hamburg Eilbek. Die Chefärztin sagt, viele Patienten, die sich wegen ihres Übergewichts operieren lassen möchten, würden von ihren Krankenkassen regelrecht abgewimmelt.

Unsere Patientin erzählt

Von 123 auf 70 Kilo: Nina Rohrs Erfolgsgeschichte

„Etwas übergewichtig bin ich schon immer gewesen“, sagt Nina Rohr. Kritisch wird es nach ihrer Schwangerschaft. Die dazugekommenen Kilos halten sich hartnäckig. Bis die junge Mutter bei einer Größe von 1,70 Metern 123 Kilo schwer ist. Die Kehrtwende beginnt auf einem Kinderspielplatz. „Meine Tochter wollte mit mir schaukeln und rutschen. Ich passte nicht in die Spielgeräte. Ich war zu dick.“ Da erinnert sich Nina Rohr daran, wie sehr die Frau ihres Patenonkels durch eine Magenband-OP abgenommen hat. Und informiert sich auf der Website der Schön Klinik. „Mir ging es in erster Linie um einen guten Arzt“, erzählt die 34-Jährige. Sie stößt auf Chirurgin Dr. Beate Herbig, vereinbart ein Beratungsgespräch und entscheidet sich für eine Schlauchmagen-OP.

Jahrelang war der Jo-Jo-Effekt ihr ständiger Begleiter. Die Krankenschwester arbeitet nachts, im Schichtdienst. „Ich bin so ein typischer Stressesser.“ Je mehr sie zunimmt, desto weniger traut Nina Rohr sich noch aus dem Haus. Den Frust bekämpft sie mit Essen. Und nimmt noch mehr zu.

Der Schlauchmagen lässt die Pfunde purzeln

Die Operation verspricht Hoffnung. Doch mit dem Eingriff allein ist es nicht getan. Nina Rohr nimmt an einem mehrmonatigen Abnehmprogramm teil, mit Ernährungsberatung und Bewegung. Schließlich hat sie alle Voraussetzungen der Krankenkassen erfüllt und erhält die Zusage für ihre Operation. Bei dem Eingriff wird ein Großteil des Magens entfernt. Der schlauchförmige Restmagen kann nur noch kleine Portionen aufnehmen. Nina Rohr ist begeistert. Die Pfunde purzeln. Der Eingriff war erfolgreich.

Bis heute hat sie rund 50 Kilo abgenommen - mehr als ein Drittel ihres alten Gewichts. „Ein Wahnsinns-Gefühl. Jetzt bin ich völlig normalgewichtig. Ich bin fit und leistungsfähig.“ Sehr fit: Triathlon und Halbmarathon bilden ihr neues Sportprogramm. Da ist dann auch mal ein Stück Schokolade drin. „Manchmal spielt mir die Psyche noch einen Streich. Mein Magen wurde operiert, nicht mein Kopf. Die Angst vor dem Zunehmen ist oft da. Eine OP ist keine Garantie für dauerhaftes Schlanksein. Es gibt gute und weniger gute Tage - aber die guten überwiegen.“

Im Gespräch mit Adipositas-Chirurgin Dr. Beate Herbig

Dr. Beate Herbig ist Chefärztin der Adipositas Klinik der Schön Klinik Hamburg Eilbek

"Sie sagen, Krankenkassen wimmeln Patienten regelrecht ab, die sich eine Operation wünschen. Warum?"

"Die Krankenkassen entscheiden, ob wir unsere Patienten operieren dürfen. Da stoßen wir auf eine gewisse reflexartige Ablehnung. Ich glaube, das kommt daher, dass Dicke in unserer Gesellschaft immer noch diskriminiert werden. Übergewicht führen viele Menschen auf Charakterschwäche zurück, auf Disziplinlosigkeit. Eine Operation sehen viele als leichten Ausweg an. Dabei ist beides falsch. Für Adipositas gibt es viele Ursachen, das ist wissenschaftlich bewiesen. Und der Weg bis zu einer Operation und darüber hinaus erfordert eine Menge Disziplin. Aber die Operation gibt Patienten die Chance, dass diese Disziplin auch zu jahrelangem Erfolg führen kann."

"Können Sie die Zweifel am Nutzen der Operation nicht verstehen?"

"Grundsätzlich finde ich eine kritische Haltung zu einer Adipositas-Operation richtig. Doch das immer wieder vorgebrachte Argument, dass wir ein „gesundes“ Organ operieren würden, entspringt einem überkommenen Begriff von Krankheit. Man sieht einem Magen nicht an, ob die von ihm ausgelösten hormonellen Kreisläufe intakt sind - diese aber werden durch eine Operation verändert.

Außerdem stellen wir nicht einfach die Indikation zur Operation, weil jemand übergewichtig ist. Entscheidend ist, ob ein Betroffener durch sein Gewicht gesundheitliche Probleme hat. Wir arbeiten nach medizinischen Leitlinien und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Bei Patienten mit einer langjährigen, hochgradigen Adipositas und einem BMI von 40 und mehr kann eine bariatrische OP erwogen werden. So wie bei Nina Rohr."

"Was empfehlen Sie den Patienten, bei denen die Krankenkasse einen bariatrischen Eingriff nicht übernehmen möchten?"

"Als erstes formalen Widerspruch einlegen. Und dann gemeinsam mit uns Ärzten einen neuen Versuch erarbeiten. In der Adipositas Klinik der Schön Klinik Hamburg Eilbek betreuen wir unsere Patienten von der Erstvorstellung bis zur jahrelangen Nachsorge nach der OP. Wir schicken unsere Patienten sozusagen auf den richtigen Weg, der zur erfolgreichen OP führen kann. Dazu gehört meist eine mehrmonatige Vorbereitungsphase mit Ernährungs- und Bewegungstherapie. Ebenfalls wird geprüft, ob eventuell psychische Probleme behandelt werden müssen."

"Hilft eine Operation nur beim Abnehmen oder kann sie auch Folgeerkrankungen von Adipositas lindern?"

"Eine typische Folgeerkrankung von Adipositas ist der Diabetes mellitus. Dass eine bariatrische Operation hier eine hochwirksame Therapie ist, ist heute wissenschaftlich nachgewiesen. Mit zunehmendem Übergewicht steigt aber auch das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Die Leber erkrankt durch zu viel Fetteinlagerung, Gelenke leiden unter der schweren Dauerbelastung, das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen steigt. Der Schlaf ist oft durch Atemaussetzer (Schlafapnoe) gestört und das Wohlbefinden durch starkes Sodbrennen beeinträchtigt. Viele Adipöse ziehen sich sozial zurück und entwickeln psychische Erkrankungen wie eine Depression.

Die meisten dieser Folgeerkrankungen bessern sich durch eine Operation. Bis heute gibt es keine nachhaltig wirksame Therapie der schweren Adipositas außer einer bariatrischen Operation. Mit dem Skalpell können wir die Adipositas-Epidemie nicht aufhalten, aber dem einzelnen Betroffenen ein neues Lebensgefühl geben."

Beate Herbig

Dr. Beate Herbig

Fachärztin für Viszeralchirurgie, Chirurgie und Proktologie
Chefärztin - Adipositas Klinik

Spezialisiert auf Adipositas

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