Behandlungsmethoden

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Verschiedene Faktoren bestimmen die Behandlung

Wurde ein Riss der Rotatorenmanschette festgestellt, kommen ja nach Schädigungsgrad und Ausprägung der Schulterverletzung verschiedene Therapieansätze in Frage. So hängt die Auswahl der richtigen Behandlungsform unter anderem davon ab, wie die Verletzung entstanden ist, wie der Grad der Einschränkung ist und wie hoch der Verlust an Selbstständigkeit ist. Das individuelle Patientenalter spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle: Bei jüngeren Patienten oder frischen Sehnenrissen wird die Stabilität der Schulter meist durch eine OP wiederhergestellt. Da verschleißbedingte Rotatorenmanschetten-Defekte jedoch häufig bei älteren Menschen auftreten und teilweise nur geringe Symptome hervorrufen, muss eine aufwändige Rekonstruktion sorgfältig überlegt werden – abgestimmt auf die individuellen Lebensumstände, die Alltagsanforderungen und die sportlichen Aktivitäten.

Konservative Behandlungsmethoden

Konservative Behandlung durch Ruhigstellung und Medikamente

Bei der konservativen Behandlung stehen  die vorübergehende Schonung, abschwellende und schmerzstillende Medikamente, lokale Eis- oder Wärmeanwendung sowie eine spezielle Krankengymnastik im Fokus. Dadurch können wir wieder eine schmerzfreie oder schmerzarme Situation erreichen und die Schulterfunktion bestmöglich erhalten. Mit Pendelübungen des Armes (Rotatorenmanschetten-Übungen) können Sie die Beweglichkeit der Schulter in der frühen Phase erhalten. Auftretende Schwellungen lindern unsere Therapeuten mit speziellen Handgriffen (manuelle Lymphdrainage). Zusätzlich können weitere physikalische Anwendungen, wie Massagen oder Elektrotherapie, den Heilungsprozess unterstützen.

Operative Behandlungsmethoden

Rotatorenmanschettenruptur-Operation: Damit die Schulter wieder schmerzfrei wird

Hat die konservative Therapie keine Aussicht auf Erfolg, müssen wir die geschädigten Strukturen in Ihrer Schulter durch eine Operation reparieren. Nur so können wir Folgeschäden im Gelenk vermeiden. Wenn möglich gehen unsere Gelenkspezialisten dabei minimalinvasiv vor. Bei einer Spiegelung (Arthroskopie) zum Beispiel sind nur kleinste Hautschnitte nötig. Auf diese Weise können wir die Verletzung Ihres Gelenks behandeln und gleichzeitig Ihr Gewebe weitgehend schonen.

Vor einer Entscheidung zur Rotatorenmanschettenruptur-Operation führen wir immer ein offenes Gespräch mit Ihnen. Denn: Eine operative Wiederherstellung der Rotatorenmanschette ist meist mit einer langwierigen Nachbehandlung verbunden. Oft dauert es mehrere Monate, bis das operierte Sehnengewebe wieder eingeheilt ist. So führt eine OP immer auch zu Einschränkungen in der Berufsausübung.

Arthroskopie und offene Operation der Schulter – beides ist möglich

Eine Rotatorenmanschettenruptur können wir entweder in Schlüsselloch-Technik (Arthroskopie) oder durch eine offene Operation versorgen. Beide Verfahren können auch kombiniert werden. So können wir in kurzer OP-Zeit die gerissenen Sehnenanteile schonend und sicher wieder befestigen.  

Bei der Arthroskopie operieren wir Ihre Verletzung mit einem kleinen Hautschnitt (minimalinvasiv) so gewebeschonend wie möglich. Da die OP-Wunde nur sehr klein ist, bilden sich in der Folge weniger Narben und der Heilungsprozess verläuft sehr schnell. Außerdem können wir während dieses Eingriffs das Ausmaß der Schädigung in Ihrem Schultergelenk exakt beurteilen und bei Bedarf auch weitere Behandlungsschritte einleiten.

Sehnen-Ersatz-Plastiken (SCR): das Flicken des Sehnendefekts

Sollte der Rotatorenmanschetten-Defekt zu groß sein, sich die Sehnen zu weit zurückgezogen haben und die Muskeln  zu sehr verfettet und abgebaut sein, lässt sich der Sehnenriss nicht mehr erfolgreich verschließen. Dann besteht die Gefahr, dass die Zentrierungs-Funktion nicht mehr gegeben ist, der Oberarmkopf nach oben unter das Schulterdach steigt und damit die Schulterfunktion limitiert wird.
Für solche Fälle bestand bis vor einigen Jahren nur noch die Möglichkeit der Implantation einer sogenannten Inversen Schulter-Prothese. Da die Standzeit dieser Prothese jedoch begrenzt ist, wurde dieser Eingriff insbesondere bei jüngeren Patienten unter 60 Jahren, die körperlich noch sehr aktiv sind, hinausgezögert.
In den letzten Jahren hat sich jedoch eine Technik entwickelt, die bereits sehr gute mittelfristige Ergebnisse zeigt, wobei der Sehnen-Defekt mit einer Art Flicken verschlossen wird. Für diesen Flicken eignet sich Fremd-Haut von der Gewebebank, zunehmend wird aber auch eine körpereigene flächige Sehne des Oberschenkels genutzt, die vierfach genommen der Substanz der Rotatorenmanschette am ähnlichsten ist. Die Entnahme erfolgt über zwei 3 cm lange Schnitte am Oberschenkel und hinterlässt für den Patienten keine Beschwerden.

Muskel-Sehnen-Transfer als motorischer Ersatz

Eine weitere Option für den Verschluss von nicht mehr reparablen Sehnen-Defekten ist ein Muskel-Sehnen-Transfer. Hierbei wird eine Sehne eines Rückenmuskels (Latissimus Transfer) vom Oberarm-Ansatz von vorne innen nach oben außen verlagert. Das Umlernen des Muskels für seine neue Funktion ist jedoch nur bei Patienten unter 60 Jahren gut möglich und die Nachbehandlung und Aktivitäts-Wiederherstellung dauert mit drei bis sechs Monaten sehr lange.

Implantation einer inversen Schulter-Totalendoprothese: Reduktion der Schmerzen und Wiederherstellung der aktiven Beweglichkeit

Sollte das Gelenk neben der Rotatorenmanschettenruptur Schäden der Gelenkflächen aufweisen, steht der Oberarmkopf unter dem Schulterdach mit entsprechendem Funktionsdefizit des Schultergelenks. In diesem Fall ist insbesondere bei Patienten über 65 Jahren die Implantation einer inversen Schulter-Prothese eine gute Alternative. Die moderne inverse Schulter-Prothese kann meistens ohne einen Schaft zementfrei, knochenschonend im Oberarm verankert werden und wird weichteilschonend über einen 7 bis 8 cm langen Schnitt eingebracht. 85 % dieser Prothesen haben aktuell eine Standzeit von 15 Jahren, aber auch danach gibt es Wechsel-Optionen. Vorteil dieser Implantate ist die relativ kurze Nachbehandlung: Da keine Sehne wieder einwachsen muss, sind Sie drei bis sechs Wochen nach der Operation wieder in der Lage, Ihr Schultergelenk gut zu bewegen.
Der stationäre Aufenthalt beträgt hierbei vier bis sieben Tage. Direkt nach der OP beginnen Sie bereits mit passiven Bewegungs-Übungen, um Ihre Gelenkbeweglichkeit schnell wieder zu erreichen. Nach drei bis vier Wochen empfiehlt sich eine stationäre oder ambulante Reha-Behandlung.