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15.00 Uhr - 25.04.2019
Koma-Patientin

Spitzenmedizin sorgt für „Koma-Wunder"

Die Schlagzeilen gehen gerade buchstäblich um die ganze Welt: „Frau erwacht nach 27 Jahren aus dem Koma“ und „Koma-Wunder in Bayern“. Ein Wunder? Nein, Spitzenmedizin! „Dass sich die Patientin so gut entwickeln konnte, ist das Ergebnis herausragender Medizin, einer optimalen und intensiven Behandlung ihrer zahlreichen Beschwerden über einen längeren Zeitraum”, erklärt Chefarzt Dr. Friedemann Müller aus der Schön Klinik Bad Aibling. Und er sagt offen: Dass eine Patientin sich nach mehr als 20 Jahren so gut erholt, hat er noch nie erlebt.

Das ist passiert:

1991 holte Munira Abdulla ihren vierjährigen Sohn in Abu Dhabi von der Schule ab. Beide saßen auf der Rückbank ihres Autos, als ein Schulbus sie rammte. Der kleine Omar wurde nur leicht verletzt – seine Mutter hatte ihn an sich gezogen und geschützt, als sie den Bus kommen sah. Munira Abdulla selbst erlitt schwere Verletzungen. Die 32-Jährige kam in eine Klinik – der Auftakt jahrelanger Krankenhausaufenthalte in den Vereinigten Arabischen Staaten, in London, und letztendlich in der Schön Klinik Bad Aibling in Deutschland.

“Als die Patientin im Sommer 2017 zu uns kam, war sie im Stadium eines Syndroms des Minimalen Bewusstseins. Das heißt, sie richtete ihren Blick öfters kurz auf etwas, meistens ein Gesicht, wie das ihres Sohnes. Aber es waren keine zielgerichteten Bewegungen erkennbar“, erklärt Dr. Friedemann Müller. Der Neurologe fasst den Gesundheitszustand der zu dem Zeitpunkt knapp 60-Jährigen zusammen: Nach einem schweren Schädel-Hirn-Traum war es im Gehirn zu umfangreichen Zerstörungen und Atrophien (Gehirnschwund) gekommen, was zu wesentlichen Beeinträchtigungen der Wachheit und des Bewusstseins führte. Außerdem traten zahlreiche Komplikationen auf wie eine schwere Spastik, Gelenkversteifungen, extreme Muskelanspannungen und eine posttraumatische Epilepsie.

Die Behandlung:

“Zunächst war wichtig, überhaupt die Hoffnung zu haben, aus dem kurzzeitigen Blickkontakt eine weitergehende Kommunikation entwickeln zu können”, erklärt Dr. Müller den Beginn der Behandlung in der neurologischen Schön Klinik Bad Aibling. “Unser Ansatz war es, alle Beschwerden der Patientin optimal zu behandeln.” Konkret heißt das auszugsweise: Die Spastik wurde mit Botulinumtoxing behandelt, die Epilepsie optimal eingestellt, versteifte Gelenke operiert, alles begleitet von Schmerztherapie. Das Ergebnis: “Munira Abdulla konnte so wieder ein besseres Körperschema entwickeln und anschließend mehr von unseren stimulierenden Therapien profitieren”, fasst der Chefarzt den ersten Teilerfolg des gesamten Behandlungsteams zusammen. Physiotherapie, Ergotherapie, aktivierende Pflege und Mobilisation vom Bett in den Rollstuhl taten der Patientin gut. So gut, dass sie eines Tages im Juni 2018 die Augen öffnete und den Namen ihres Sohnes sagte.

Das „Wunder“

„Wir konnten das zuerst kaum glauben, als der Sohn uns davon erzählt hat“, erinnert sich Dr. Müller. „Aber dann wurde klar, dass sie tatsächlich sprach. Mit so einer Entwicklung hätte ich nicht gerechnet. Von ähnlichen Fällen habe ich natürlich gehört, aber sie sind sehr selten. Wir haben immer wieder Patienten, bei denen wir mehr als ein halbes Jahr nach ihrem Unfall ähnliche Fortschritte erreichen können. Aber eine Patientin, die nach so langer Zeit wieder so gut kontaktfähig wurde, das habe ich tatsächlich noch nicht erlebt.“ Doch ein kleines Wunder also, erreicht durch eine herausragende medizinische Behandlung und Expertise.

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