Behandlungsmethoden

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Querschnittslähmung: Klinik-Aufenthalt, um die knöcherne Situation zu stabilisieren

Grundsätzlich sind die operativen Möglichkeiten bei einer Rückenmarksverletzung stark eingeschränkt. Nach Unfällen ist es das Ziel, gebrochene Wirbelkörper zu stabilisieren, um weitere Schädigungen zu vermeiden. Ist das Rückenmark gequetscht, wird auch hier die Fraktur operiert, um wieder Raum zu schaffen und die Schwellung des Rückenmarks in den Griff zu bekommen. In der Phase des spinalen Schocks kommt es zudem darauf an, Herz- und Kreislauf-Funktion sowie andere Organfunktionen zu überwachen und zu stabilisieren.

Konservative Behandlungsmethoden

Regelmäßige Lagerung und medikamentöse Behandlung

Zunächst ist es sehr wichtig, die frisch gelähmten Patienten alle zwei bis drei Stunden umzubetten, richtig zu lagern und gegebenenfalls Hilfsmittel, wie Sitzkissen, einzusetzen. Solche Maßnahmen tragen dazu bei, dass sich die Muskeln nicht verkrampfen und keine Druckgeschwüre entstehen. Ein wichtiges Frühzeichen ist die bleibende Rötung an den betroffenen Körperstellen. Obwohl oft keine oder nur wenig Beschwerden bestehen, kann sich schnell eine tiefe Wunde entwickeln oder es bestehen bereits ausgeprägte Gewebeschäden in der Tiefe, obwohl die Haut geschlossen ist. Eventuell auftretende Nervenschmerzen werden medikamentös behandelt, wodurch sie sich um bis zu 80 Prozent verringern.

Blasenentleerung durch Katheter

Rückenmarksschäden führen in der Regel zu einer gestörten Blasenfunktion (Inkontinenz). Bei frisch querschnittgelähmten Patienten ist die Harnblase zwar in der Lage Urin zu speichern, aber nicht zu entleeren. Um Blasenüberdehnung und Infekte zu vermeiden, wird die Blasenentleerung zum Beispiel durch einen sogenannten Pufi-Katheter sichergestellt, der über die Bauchdecke in die Blase reicht und so den Urin ableitet. Im Falle einer kompletten Lähmung wird langfristig die Harnblase durch einen dünnen Einmal-Katheter wiederholt entleert. Dies muss bei einer maximalen Flüssigkeitszufuhr von 1,5 Liter am Tag etwa vier- bis fünfmal täglich durchgeführt werden. Nach sechs bis acht Wochen erfolgt erstmals eine Blasendruckmessung.

Um weitere Schädigungen durch die Blasenstörungen zu vermeiden, empfehlen wir, mindestens einmal pro Jahr eine urologische Kontrolle durchzuführen.

Entleerung des Darms

Die Entleerungs-Routine kommt auch beim Darm zum Einsatz – abhängig davon, ob ein schlaffer oder spastischer Darm diagnostiziert wird.

Ein schlaffer Darm führt zu unwillkürlichem Stuhlabgang. Ziel der Therapie ist hier ein fester und geformter Stuhl. Die Darmentleerung erfolgt im Sitzen oder im linksseitigen Liegen, zum Beispiel über die digitale Stimulation. Ein Finger oder anderes Hilfsmittel wird bei dieser Form der Stimulation sanft in den Enddarm eingeführt und leicht kreisend bewegt. Dies löst unterschiedlich schnell eine reflektorische Darmbewegung im Mastdarm aus, der den Stuhl herauspresst. Die Stimulation wiederholt sich je nach Reflex-Reaktion des Darms alle fünf bis zehn Minuten, bis der Mastdarm entleert ist.

Beim spastischen Darm wird der Stuhl aufgrund der erhöhten Muskelspannung im Beckenboden und äußerem Schließmuskel nicht automatisch abgegeben. Daher ist das Ziel der Therapie ein weicher Stuhl. Dies wird ebenfalls über die digitale Stimulation erreicht und gegebenenfalls durch Zäpfchen oder Abführmittel unterstützt. Das Blasen-Darm-Team der Schön Klinik bietet eine spezielle Ernährungsberatung, um die Verdauung zu verbessern sowie Komplikationen und Übergewicht zu verhindern.