ANOREXIA NERVOSA | ERFAHRUNGSBERICHT

„Hier kann ich rauslassen, was mich schon immer belastet hat.“

Sophia A. 16

„Ich weiß gar nicht genau, wie es zu meiner Essstörung kam, denn ich war schon immer zierlich und habe mich nie unwohl in meinem Körper gefühlt. Mit 12 Jahren hatte ich plötzlich Angst vor allem, vor dem Essen, vor dem Leben – ich war total über­fordert und wollte für mich alleine sein. Mein Tag hat sich nur um Leistung, Bewegung und Nicht-Essen gedreht. Es war für mich schlimm, meine Eltern wegen mir weinen zu sehen. Auch die Beziehung zu meinem Bruder wurde schwierig.

Anfangs hat niemand gemerkt, was mit mir los ist. Erst als ich wegen einer Virusgrippe ins Krankenhaus kam, fiel mir auf, wie schlecht es mir ging. Ich musste zwei Wochen auf der Infektionsstation verbringen und anschließend weitere drei Monate auf der psychosomatischen Station. Erst nach diesem langen Aufenthalt fühlte ich mich wieder einigermaßen gut. Vor zwei Jahren ging dann aber plötzlich gar nichts mehr. Ich war in einem schrecklichen Zustand und habe mich selbst in der Schön Klinik angemeldet.

Das war wichtig, denn wenn man ge­zwungen wird, macht man es nur für die anderen und nicht für sich selber.

„Hier kann ich rauslassen, was mich schon immer belastet hat.“

Toll ist die App Recovery Record, eine Art Tagebuch. Darin kann man schreiben, was gerade los ist, was man wann, wo und mit wem gegessen hat, wie man sich dabei gefühlt hat ... Während des Klinik­aufenthalts war ich über die App mit meinem Therapeuten verbunden. Der hat meine Einträge kommentiert und mir Nachrichten geschickt. Ich habe die App auch zu Hause wei­ter genutzt. Sie hat mich motiviert, mich anzustrengen.

Einige Zeit nach meinem Klinikaufenthalt habe ich gemerkt, dass es ohne Hilfe doch noch nicht geht. Daher habe ich mich erneut angemeldet. Das war die beste Entscheidung überhaupt.

Zu meiner Bezugstherapeutin habe ich ein sehr enges Verhältnis. Mit ihr kann ich wirklich über alles sprechen, was mich schon mein ganzes Leben lang belastet und was ich nie wirklich rauslassen konnte. Ich bin auf einem guten Weg, meine Essstörung zu überwinden.“

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